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Es erscheint daher nicht verwunderlich, daß man sich
eines Regisseurs erinnerte, dem noch heutige Autoren "Para-
faschismen" in seinem Frühwerk vorwerfen: Fritz Lang. We
gen der Vielfalt seiner Stoffe und ihrer effektvollen Gestal
tung fand er die Zustimmung fast aller Bevölkerungskreise,^
stieß aber auf Ablehnung bei den Kritikern, weil er die Hand
lungsvorlage nur als willkommenen Anlaß sah, seine Visionen
zu verwirklichen, ihren gehaltlichen Problemen aber keine Be-
Zj.
achtung zu schenken. Sozialistische und NS-Kritiker verur
teilten seine unverantwortliche Verharmlosung gesellschaft
licher Probleme in seinem Stummfilm "Metropolis" (1926),^
1 So nannte es Peter H. Schröder, Ornament und Ideologie,
Film 8, 1964, S. 8, der sich dabei generell auf S.Kracauer,
Von Caligari bis Hitler, beziehen kann.
2 Es sei erlaubt, hier in Anmerkungen auf Fritz Lang etwas
näher einzugehen, weil er neben F. W. Murnau und G. W.Pabst
der bedeutendste deutsche Stummfilmregisseur gewesen ist und
sich gerade an seinen Filmen in den letzten Jahren eine leb
hafte Diskussion entspann, da man in diesem Werk alle soge
nannten "präfaschistischen Tendenzen" vereinigt sah, die den
deutschen Stumm- und frühen Tonfilm kennzeichneten. Er ver
band eine seltene Begabung für ornamentale Bildkomposition,
wirkungsvolle Mise-en-scdne und ein Ingenium für neue Ge
staltungsmöglichkeiten mit einem sensiblen Gespür für The
men, die einem latenten Geschmacksbedürfnis des breiten
Publikums entsprachen.
3 Rundfrage der Filmbühne (1927, Heft 8, S. 5) nach dem popu
lärsten deutschen Filmregisseur bringt bei 5007 gültigen
Stimmen:
Richard Eichberg 1123
Fritz Lang 921
Richard Oswald 817
4 "Denken Sie mehr an den nüchternen (und ausschlaggebenden)
Menschenverstand, sehr geehrter Herr Lang, denken Sie nicht
immer an die einzelnen Bilder! Ihr Unglück ist es, daß
ihnen die Idee nichts gilt, sondern nur das Bild..."
Paul Ickes, Die Filmwoche, Nr. 3, vom 19.1.1927» S. 60 f.
5 Vgl. o. Kriegk, Der deutsche Film, S. 88 ff.; ebd. S. 91:
"Wir sind heute über jede Gefahr einer sinnlosen Vermi
schung sozialer Probleme hinweg. Niemand würde heute
mehr auf den Gedanken kommen, Marxismus, Arbeitgeberdik
tatur, oberflächliche Philanthropie und halbdurchdachte
Probleme des Untergangs des Abendlandes mit dem Datum des
Jahres 2000 in einen Topf zu werfen und so lange durch
einanderzurühren, bis eine Verlobung zwischen dem Sohn
eines Industriebarons von elefantenhaften Ausmaßen und

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