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ghettobewußten Schauspielers wie Charlie Chaplin, der
die bürgerliche Gesellschaft mit ihren eigenen Requi
siten narrt.
Das deutsche Filmschaffen erscheint demgegenüber
widerstandslos, zeigt das Spiegelbild seines,.politi-
schen Unmuts und seiner Geschichtsromantik."
"Zweierlei war am deutschen Film wieder gutzumachen.
Die Zeiten sind überwunden, in denen die Geschichte
der Deutschen zum Marschpotpourri, die historische Ge
stalt zum Öldruck und zum Plakat degradiert wurde, in
denen Heidelberger Werkstudenten gegen die Burschen
herrlichkeit protestieren mußten, die eine 'nationale
Produktion' als stockdeutsch empfahl. Aber auch die
Zeiten sind vorüber, in denen der deutsche Film sein
Landschaftspanorama und seine Luxuskulissen an der
Riviera suchte, statt sich den unentdeckten Landschaf
ten des Reiches zuzuwenden." 2
Der gesellschaftskritische Aspekt, der den NS-Autoren
durchaus zu eigen ist, läßt sie oft in gemeinsamer Ablehnung
gegen eine bürgerlich unpolitische Haltung zu ähnlichen Ur
teilen kommen wie linksorientierte Filmkritiker (auf die je
verschiedene Zielsetzung beider braucht hier nicht mehr ein
gegangen zu werden). Ihre Kritik resultiert dabei allerdings
eher aus einer die Klassenantagonismen negierenden,generell
gesellschaftsfeindlichen Haltung und trifft dort bei denje
nigen Filmen mit den Urteilen der Linken zusammen, in denen
das Sujet mehr privaten statt politischen Charakter annimmt.
"[...] Ein Musterbeispiel dafür war 'Der blaue Engel',
der erste deutsche Tonfilm mit Emil Jannings nach dem
Roman von Heinrich Mann. Ursprünglich ein satirischer,
gesellschaftskritischer Roman mit einem Schultyrannen,
'über den das Gericht des Lebens kommt', wurde im Film
daraus eine gutmütig=harmlose Spießbürgerfigur. Der
Roman von Heinrich Mann hatte als Triebfeder alles Han
delns den Haß jenes Professors Unrat, und selbst die
'Künstlerehe' mit der Vorstadtsoubrette war nicht der
Reinfall eines braven Sünders, sondern eine bewußte
Ssrausforderung des Kleindstadtklatsches. Im Roman von
Heinrich Mann will sich ein Schultyrann an einer ganzen
1 R. Bie, Emil Jannings, S. 33»
2 Ders. ebd., S. 19.

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