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Aufgrund dieser Blickweise wurden die Stilarten der ein-
-i
zelnen Lander untersucht und dem deutschen Film entgegen
gehalten:
"Der deutsche Film hat nicht den Vorteil einer ein
prägsamen Formel, weil er in seinen überzeugendsten
Schöpfungen weniger Gattung ist als Ausnahme, weniger
Typus als persönliche Leistung, daher reicher und ärmer
zugleich, eigenwilliger in seinen künstlerischen An
sprüchen, die stets verknüpft sind mit bestimmten Namen
wie Murnau, Carl Froelich, Frank Wysbar, Luis Trenker,
Erich Engel."2
Die "nationalen" Filme waren durchaus nicht das ersehnte
Vorbild, auch wenn man es verständlich fand, sie zu produ
zieren:
"[...] Auf der anderen Seite sucht der deutsche Film
seinen Halt, den die verstörte Gegenwart ihm nicht ge
ben konnte, in der romantischen Zuflucht der Vergangen
heit. Das preußische Thema wird durch die Fridericus=
Filme verflacht, das Wort des großen Königs: 'Ich habe
eine Art Schiffbruch erlitten in meinem Leben', die
Passion des Einsamen wird umgemünzt in die Siegermiene
des Filmplakats. Es entsteht das Film=Sanssouci, die
ganzen verlogenen Episoden schaffen keinen Zugang zur
politischen Wirklichkeit der fritzischen Gestalt, son
dern bedeuten eine Art Flucht und Furcht vor ihr.
In diese Zeit fällt der Angriff der Russenfilme als
Kampfansage eines revolutionären Dogmas gegen die li-
beralistische Beschönigung. In diese Zeit fällt das
einzigartige französische Dokument eines geschichtlichen
Films ohne Maske und Legende: Carl Th. Dreyers 'Johanna
von Orleans'. In diese Zeit fällt der Triumph eines
1 Vgl. J. Goebbels, Rede, in: JbRFK 37, S. 75» - W.Fanofsky,
die Geburt des Films, S. 73 ff.; R. Bie, Emil Jannings,
S. 18. Vgl. auch Kap. E. III. b).
Das galt auch für die Schauspieler. Von Emil Jannings hieß
es nach seinem Erfolg in dem amerikanischen Film "Der Weg
allen Fleisches" (1927), er setzte sich "mit einem Welt
erfolg gerade wegen seiner deutschen Charakteristik durch,
was die gleichzeitig in Deutschland entstehenden Filme um
gekehrt durchaus nicht tun." (R. Bie, Emil Jannings, S.33)-
"Nur der Schauspieler ist international, der zuerst natio
nal ist, der das Wesen seines Landes imverfälscht aus
drückt." (H. Jhering, Emil Jannings, S. 19i vgl. auch
ders. ebd., S. 20.)
2 R. Bie, Emil Jannings, S. 18 f.

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