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Im filmischen Bereich findet sich eine ähnliche Gleich
setzung in dem vom Seichsfilmintendanten Dr. F. Hippier zu
sammengestellten "Dokumentar"-Film "Der ewige Jude". Hier
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folgt auf eine Montage, in der Ratten gezeigt werden, eine
Sequenz, in der Juden im Warschauer Ghetto aufgenommen wur
den. Der Kommentar erklärt:
"[...] Deshalb drängte es sie aus ihrer Niststätte
fort in reiche Länder zu reichen Völkern,[...] -
ein Volk von Parasiten. Immer dort, wo sich an einem
Volkskörper eine Wunde zeigt, setzen sie sich fest
und ziehen aus dem zerfallenden Organismus ihre Nah
rung. [...] Wo Ratten auch auftauchen, tragen sie
Vernichtung ins Land, zerstören sie menschliche Güter
und Nahrung. Auf diese Weise verbreiten sie Krank
heiten, Pest, Lepra, Typhus, Cholera usw. usw. Sie
sind hinterlistig, feige und grausam und treten meist
in großen Scharen auf. Sie stellen von den Tieren
das Element der heimtückischen und unterirdischen
Zerstörung dar - nicht anders, als die Juden unter
den Menschen. —"
IV. Die Geschichte des deutschen Films in den Darstellungen
der NS-Filmhistoriker
Außer den vielen Einzeldarstellungen und Filmbesprechun
gen, die meist auch einen kurzen historischen Rückblick ge
ben oder die jeweils gegenwärtige Filmkunst an ihrem geistes
geschichtlichen Ort zu bestimmen versuchen, sind vor allem
die beiden einzigen, nach dem Selbstverständnis der NS-Ideo-
logie "nationalsozialistisch" zu nennenden Filmgeschichten
als Quelle heranzuziehen: 0. Kriegk, Der deutsche Film im
Spiegel der Ufa, Berlin 194J, und die sich selbst "polemisch"
1 Dazu E. Leiser, Deutschland, erwache!, Reinbek 1968, S. 74:
"Diese Montage wurde auch von der Kritik gebührend gewür
digt. Der Berichterstatter der Deutschen Allgemeinen Zeitung
atmete auf, 'wenn der Film ausklingt, Indem er deutsche
Menschen und Bilder deutschen Wesens zeigt'. Von dem manipu
lierten Dokumentarfilmmaterial stellte man außer 'Der ewige
Jude' noch ein paar kurze Streifen fertig, die ebenfalls Ju-
den mit Wanzen verglichen." - Ein umgekehrter Prozeß, näm
lich einen Tatbestand zu verharmlosen, fand bei dem Gebrauch
des Ausdrucks "etwas bis zur Vergasung tun" statt.

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