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kungsiuittel, der ornatus, reichte "mit seiner Leistungs-
Intention in den Bereich der hohen Künste", befriedigte das
ästhetische Gefühl des Menschen und war ein Luxus der Rede.
Mit seiner zunehmenden Betonung und der gleichzeitigen Auf
hebung der judizialen Ursprungssituation der Rhetorik wurde
die Lehre vom Schmuck der Rede ihrer ursprünglichen Inten
tion und ihres Impetus beraubt und verselbständigte sich im
Bereich der schönen Literatur. Ihr sorgfältig ausgebautes
System gedanklicher und sprachlicher Formen trug aber wei
terhin zur Wirkung bei.
Diese rhetorischen Formen können zwar "durch die jeweils
aktuelle Intention (voluntas) des Redenden mit aktuell auf
?
den Zuhörer wirkenden Inhalten gefüllt werden", da sie ja
"nur Gefäße des situationsmäißig relevanten Inhalts"^ sind,
wie es in den Propagandareden oder im Kommentar von Propagan
dafilmen geschieht. Das wirkt aber nur, wenn die Zuhörer "die
gleichen sprachlichen (grammatischen, lexikalischen) Formen
mindestens empirisch beherrschen wie der Redende" - eine
Grundvoraussetzung für Kommunikabilität überhaupt, die auch
hier im Bereich der Sprache ihre Anwendung findet. Die "empi
rische Beherrschung [...] der vom Redenden verwandten rheto
rischen Formen"^ ist dagegen beim Zuhörer nicht nur nicht
notwendig, sondern kann sogar "die vom Redner intendierte
Wirkung dieser Formen beeinträchtigen, da diese Wirkung nun
mehr der Kontrolle des Zuhörers unterworfen ist."® Dies ge
schieht im Wortschatz der Führungsspitze des Dritten Reichs
Änderung dieser Situation", die in ihrer Form den Charakter
der Einmaligkeit hatten, da sie im vollen Wortlaut nicht
abgedruckt wurden. Auf der anderen Seite fand sich in sei
nen Zeitungsartikeln der Typus der Wiedergebrauchsrede, der
sich die habitualisierte Anwendung der rhetorischen Mittel
als Untersuchungsobjekt anbietet.
1 Lausberg, Elemente, § 162.
2 Ders. ebd.
3 Ders. bed.
4 Ders. ebd.;
5 Ders. ebd.j
6 Ders. ebd.
Unterstreichung von mir K.D.
Unterstreichung von mir K.D.

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