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geregt und durch ein feierliches Rahmenprogramm in den soge
nannten "Filmweihestunden" das "Leinwanderlebnis" vorberei
tet und vertieft werden. Ein dichtes Retz von Gaufilmstellen
wurde über ganz Deutschland gezogen und garantierte, daß
nahezu alle Bewohner "erfaßt" und mit der Weltanschauung der
Partei traktiert wurden. Der Anstieg der Besucherzahlen in
den Veranstaltungen der Parteidienststellen von 21 767 784
im Jahre 1935 auf 37 475 739 im Jahre 1937 "bewies": 1 "Der
Film erfüllte so seine Aufgabe als politisches Führungsmit-
?
tel." Seine enge Beziehung zum Publikum erschien geeignet,
T,
das Kino zum "Vermittler politischen Erlebnisses"^ werden zu 1 2
1 Vgl. C. Reumann, Die Filmarbeit der Partei, in: Jahrbuch
der Reichsfilmkammer 1938, S. 166 f.
2 Ders. ebd., S. 167.
5 0. Belling, Der Film in Staat und Partei, S. 131* ders.,
Der Film im Dienste der Partei, S. 20: "Es war notwendig,
auch den Rest wachzurütteln. [...] Das war nur möglich,
indem man den Veranstaltungen einen gewissen Reiz gab und
zwar in Form von Filmen, die nicht unbedingt weltanschau
lich gebunden waren. [...] Die staatspolitische Propagan
da wurde von jetzt an in Form von geschickt gemachten, po
litisch aufklärenden Kurzfilmen im Beiprogramm gereicht."-
Vgl. ders., Der Film in Staat und Partei, S. 70 f.: 20
Millionen sahen die Filme "Blut und Boden" und "Der Sieg
des Glaubens" - Mitte 1934 erfolgte die Dezentralisierung
der Landesfilmstellen zu 32 selbständigen Gaufilmstellen,
771 Kreisfilmstellen und 22 357 Ortsgruppen. Diese Film
stellen trugen die Parteifilmarbeit. Ihnen und der Haupt
abteilung IV Film der Reichspropagandaleitung oblag allein
die Herstellung von Propagandafilmen. Die Leitung des RMVAE
ordnete an, daß "das spekulative Herstellen von Partei
filmen seitens Privatpersonen oder Firmen von jeder Partei
dienststelle unbedingt zu unterbinden ist."
Die parteipolitische Bedeutung dieser Ämter wird dadurch
unterstrichen, daß die Landesleiter der ReichsfiImkammer
zugleich Gaustellenleiter der Partei sind und dem Landes
kulturwalter unterstehen. -
Vgl. dazu auch J. Wulf, Theater und Film im Dritten Reich,
S. 285; C. Reumann, Die Filmarbeit der Partei, S. 167:
"Sie sind alle die Soldaten der Filmpropaganda in vorder
ster Linie; sie alle wissen, daß eine Propaganda wie ein
lebendiger Strom immer wieder durch die Massen gehen muß;
sie alle wissen an ihrem bescheidenen Platz als Filmstel
lenleiter das Streben der Führung nach einer nie versie
genden lebendigen Propaganda in die Tat umzusetzen."

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