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"national" in puristischer Weise noch im ursprünglichen Sinn
und bedachte nicht, daß seine erweiterte inhaltliche Füllung
seit dem wilhelminischen Kolonialismus die "Identifikation
'l
mit imperialistischem Denken" bedeutete. Zugleich übersahen
sie, daß "der Gebrauch bestimmter Fremdwörter im totalitären
Staat oft absichtlich dazu dient, die Gedanken der Führer
p
gerade nicht für alle erkennbar zu machen." Man wunderte
sich daher in der "Muttersprache", "daß die Partei mit un
verständlicher Treue an dem fremdländischen Propaganda fest—
hält"^ und schlug vor: "Propaganda sollte in Werbe verdeutscht
werden”, zumal für das Sprachgefühl der Amerikaner mit die
sem Wort "das Merkmal des Unehrlichen und Bestechlichen ver
bunden ist, und das gilt ihnen, Gott sei es geklagt, seit dem
Weltkrieg als deutsches Kampfmittel. Daß ein ganzes Mini
sterium für Propaganda eingerichtet ist, veranlaßt drüben
die bedenklichsten Bemerkungen."^ - "Den Sprachreinigem lag
offenbar der Gedanke fern, daß die Nationalsozialisten das
Fremdwort Propaganda ganz absichtlich einem deutschen Wort
wie Werbung vorzogen, um die Unwissenden mit einem fremd-
klingenden Wort zu umnebeln und den Wissenden unmißverständ
lich klarzumachen, daß es gegen diese Art von 'Volksaufklä-
rung' keinen Widerspruch gab." 6 - Inwieweit aber sogar diese
"Kritik" des Sprachvereins noch systembestätigende Funktion
haben sollte und heute keinerlei Alibicharakter für sich in
Anspruch nehmen kann, zeigt die Tatsache, daß das Motiv für
diese Art von Sprachkritik nur "Liebe zur Muttersprache" war.
"Die Sache selbst wurde für 'wohltätig' gehalten" und das Mo
tiv der Machthaber wurde nicht erkannt, nämlich die Absicht,
1 W. Abendroth, Das Unpolitische, S. 200.
2 P. v. Polenz, Sprachpurismus, S. 118.
3 Muttersprache 48, Sp. 357 ff., zit. bei: ders.ebd.,S.119.
4 Ebd.
5 Muttersprache 49, 1934, Sp.325, zit. bei:ders.ebd., S.119.
6 P. v. Polenz, ebd., S. 119»

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