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spezifische Wirkungsweise der Medien untersucht, ist irrig.
Es gibt nirgends einen Hinweis auf derartige Untersuchungen
oder auch nur das Bedürfnis, diese Frage zu stellen. Wahr
nehmungspsychologische Untersuchungen der in Dienst genomme
nen Medien über spezifische Merkmale beim Rezipieren, wie
sie jedes Medium seinem Empfänger gegenüber aufweist und ihn
in je verschiedener Weise zu je anderen Erlebnis- und Verhal
tensweisen veranlaßt, die durch die ausschließliche Betonung
meist nur einer Wahrnehmungskategorie (Ton, Bild, Schrift)
bedingt ist, werden nicht erarbeitet. Auch hier zeigt sich
das einseitig pragmatisch ausgerichtete Interesse an der
Wirkung und die Vernachlässigung grundsätzlicher Fragestel
lungen. Die Bedeutung der je verschiedenen sozialen Situa
tion bei der Aufnahme, die medienspezifisch variieren, wird
nicht zum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung gemacht,
sondern als Resultat praktischer Erfahrung ideologisch über-
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formt.
Eine Partei, die die Richtigkeit ihrer Maßnahmen aus
schließlich an deren Wirkung maß und sie allein vom Gesichts
punkt aus beurteilte, inwieweit sie der ZielVorstellung dien-
O
lieh sind, mußte, wie Hitler bereits in "Mein Kampf"schrieb,
"mit rücksichtsloser Entschlossenheit sich dieses Mittels
1 Das trägt schließlich dazu bei, den Film auf Grund seiner
Wirkung als Kunst zu legitimieren. Die in diesem Zusammen
hang sich ergebenden Fragen gehören zu dem Abschnitt, der
sich mit der Kunstwerdung des Films qua Wirkung beschäftigt.
Es zeigt sich aber auch hier, wie dadurch, daß diese
Frage in keiner Weise problematisiert und nur auf die pra
gmatische Wirkungsmöglichkeit abgezielt wurde, dieser Kom
plex leicht ideologisiert werden konnte, weil die theore
tische Absicherung durch den Mangel an Grundsatzerörterun—
gen fehlte. -
Eine Darstellung der Feldrelationen zwischen Medium und
Rezipient gibt G. Maletzke, Die Psychologie der Massenkom
munikation, Hamburg 1963, auf den Seiten 1?1 ff»» speziell
die Funktion der einzelnen Medien und ihre Sicht in den
Augen der Rezipienten untersucht er auf den Seiten 180 ff.
2 Vgl. A. Hitler, Mein Kampf, S. 198, 264-, 376.

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