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keif der führenden Männer in diesem System. 1 So verständ
lich es also ist, dem Mißbrauch eines solchen Mediums zu
wehren und es aus den Händen alleinverantwortlicher Konzern
herren zu nehmen, so konsequent ist es für einen totalitären
Staat, den Führungsanspruch auf dieses Massenbeeinflussungs
mittel zu dokumentieren. Begünstigt wird diese staatliche
Maßnahme durch die systematische Hetze gegen jüdischen Ein
fluß in den Spitzen der Produktion und deren "zersetzende"
Unterhaltungsware, die kapitalistische Wirtschaftsstruktur
und den Glauben an die moralische Integrität des zur Führung
eines solchen Unternehmens berufenen Einzelnen. Der elitäre
Gedanke, der moralischen Kraft der großen Führerpersönlich
keit mehr zuzutrauen als einem mit Kontrollinstanzen verse
henen Eegelsystem, wird hier zu einer Bedingung für die Mög
lichkeit des deutschen Faschismus und trägt auch hier im
Wirtschaftsleben in der "Feier des genialen Wirtschaftsfüh-
2
rers, des 'geborenen' Chefs" in der NS-Filmproduktion dazu
bei, den charismatisch-autoritären Führergedanken zu motivie
ren. Die Möglichkeit zum Mißbrauch dieses Informationsmit
tels "Film" wird also letzten Endes in einer moralischen Ver
läßlichkeit des Einzelnen gesehen, die aber, und das ist das
herrschaftstechnisch Helevante, nicht nur graduell, sondern
grundsätzlich abhängig gemacht wird, von der rassischen Zuge
hörigkeit. Die Pointe dieser Überlegungen ist, daß die kapi
talistische Struktur der Filmwirtschaft beibehalten werden
konnte und die Konzerne ohne jegliche Veränderung ihres
hierarchischen Aufbaus als ein nach dem Führungsprinzip ge
leitetes Unternehmen weiterbestehen konnten, nachdem ein 1 2
1 Diese Haltung, die an ein aristokratisches Bewußtsein not
wendig gebunden ist, findet sich auch heute noch in den
meisten Schriften über den Film im Dritten Reich, die als
einziges Kriterium gegen den deutschen Faschismus die mora
lische Korruption anführen und damit ihre Affinität zu
diesem System bezeugen. Vgl. dazu Kap. B.
2 H. Marcuse, Vom Liberalismus, S. 32.

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