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als Massenlenkungsmittel. Kriegk sieht diesen soziologisch
so überaus wichtigen Funktionskreis von Autor, Regisseur,
Kameramann, Produzent, Verleiher, Kritiker und Rezipient
(also das, was Fügen in der Literatursoziologie insgesamt als
"literarisches Leben" bezeichnet). Er deckt die "Ungleich
zeitigkeit" auf, die in diesem für den Film so notwendigen
Mechanismus besteht. Auf der einen Seite war es durch das
neue Publikationsmittel möglich geworden, das Volk umfassend
zu informieren und aufzuklären, auf der anderen Seite aber
wurde es in Unmündigkeit und Abhängigkeit von einigen weni
gen gehalten, die die Macht über dieses Informationsmittel
in der Hand hatten und wiederum auf den Gewinn aus seinem
Vertrieb angewiesen waren. In der Darstellung dieses Funk
tionskreises kommen Kriegk und Panofsky zu Ergebnissen, die
heute noch die gleiche Gültigkeit für sich in Anspruch neh
men können. Lediglich der Einflußgrad des Films wird jetzt
niedriger veranschlagt, ist aber für die damalige Zeit wohl
richtig gesehen worden, weil der Film als relativ neues Me
dium noch nicht zu dieser Selbstverständlichkeit geworden
war, die er heute im Bewußtsein der Öffentlichkeit einnimmt.
"Das Bild, das der Mensch sich um die Jahrhundertwende
zurückerwarb [...], wurde mit dem Spielfilm zum Lenker
der menschlichen Phantasie, zu einem äußerst nützli
chen, aber auch äußerst gefährlichen Werkzeug in der
Hand von wenigen. Wer sind diese wenigen? Die Massen
hatten danach nie gefragt, sie gingen in den Film, wie
er ihnen geboten wurde. Eine Grenze ihrer Bereitwil
ligkeit wurde nur durch Mangel an Geld gesetzt."2
1 Untersuchungen aus den USA in den 30er Jahren ergaben,daß
"die durch Filme vermittelten informativen Fakten zwar als
besonders authentisch" betrachtet und gut behalten wurden.
Diese Ergebnisse stehen aber z. T. in Widerspruch zu spä
teren Untersuchungen, die zu ermitteln versuchten, ob das
"Informationsmaterial, das durch das Fernsehen verbreitet
wird, besser behalten wird, als vergleichbares Material im
Vortrag, im gedruckten Wort oder im Rundfunk". (G. Maletzke,
Psychologie der Massenkommunikation, S. “ ' ). - Auch dies
mag mitbestimmt sein von der jeweiligen Neuheit von Film und
Fernsehen in ihrer Zeit.
2 0. Kriegk, Der deutsche Film, S. 108 f.

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