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chen Erscheinung inkommensurabel ist, kann es in verstan
desmäßigen Begriffen nicht eindeutig total erfaßbar sein.
Die damit notwendigerweise verbundene Reduzierung begriff
licher Gehalte deutete man in einen Gewinn ganzheitlicher
ungebrochener Lebenshaltungen um. Auf der einen Seite war ein
Mehr an Welterfahrung möglich geworden, hier aber kam es
eher einer Regression gleich, da nicht über das Begreifbare
hinausgegangen, sondern im Gegenteil davor zurückgeblieben
werden sollte. Die durch die "neue zeitentsprechende, tie-
-i
fenwirksame Reproduktions- und Darbietungsmöglichkeit" ge-
2
schaffene "Gesichtskreiserweiterung des Einzelnen" wurde
durch diese Dramaturgie zur Gesichtskreisverengung, die ge
priesene Wirklichkeitsannäherung eine Wirklichkeitsverfäl
schung, ein Realitätenentzug. Die propagierte Eindeutigkeit,
"jene hauptsächliche Forderung für die allgemeine Übemitt-
lung von Handlungs- und Seinsinhalten", die für eine simple
Persönlichkeitsstruktur (wie sie vorgeblich die Masse als
ganzes, aber auch jeden Einzelnen von ihr kennzeichnet) un
abdingbar erscheint, führt dann in der Kunst dazu, menschli
che Verhaltensweisen auf wenige Grundmuster zu reduzieren,
"die bereits vorhandenen Bewußtseinsinhalten ähnlich sind"^-
1 W. Panofsky, Die Geburt des Films, S. 12.
2 Ders. ebd.
3 Ders. ebd., S. 13
4 Ders. ebd.; an eine mögliche Erziehung und Höherentwick
lung des Menschen wird in dieser aufklärungsfeindlichen
Epoche der deutschen Geschichte nicht gedacht, da das Pri
mat geburtsmäßiger Anlagen in bürgerlich-konservativen
Kreisen sich als allgemeiner Glaube bereits festgesetzt
hatte. "Dies bedeutet, auf das letzte durchdacht, daß der
ganze Vorstellungsinhalt des XIX. Jahrhunderts von einem
ewigen Fortschritt der Menschheit zwar seine Richtigkeit
hat in allen Dingen, die wir Menschen zu erfinden und zu
gestalten vermögen, daß aber dieser Fortschrittsgedanke
für unser Blut nicht gilt, sondern dieses als feststehende
Größe den Begabungshaushalt unseres Volkes bestimmt."
(R. W. Darrfe, Neuordnung unseres Denkens, Goslar 1940,
S. 10)- "In der Frage des Blutes, soweit wir Erbeigenschaf
ten darunter verstehen, hört aller Fortschrittstaumel auf."
(Ders. ebd., S. 14).

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