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als Aufgabe, das "Realistische zu idealisieren", indem die
Wirklichkeit nach der Idealvorstellung des Künstlers verwan-
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delt und zu repräsentativer Aussage emporgesteigert wird.
b) Die archaische Kunstform Film als adäquates Ausdrucks
mittel eines antirationalen "Massenzeitalters"
Die geforderte Realitätsnähe als eine Bedingung für die
Möglichkeit von Massenwirksamkeit erklärt, warum ein Priori
tätenstreit der Medien entstehen konnte. Soweit Eindeutig
keit, Gegenständlichkeit und möglichst naturgetreue Wieder
gabe der Realität als unabdingbare Postuiate für die dem
neuen "Massenmenschen" adäquate Kunstform gefordert wurden,
galt der Film als das geeignete Ausdrucksmittel und war nach
diesen Kriterien dem Wortkunstwerk weit überlegen. Da£ Li
teratur und Theater andere Möglichkeiten und Aufgaben durch
ihre strukturellen Eigenschaften hatten als der Film, wurde
erkannt; man lehnte sie aber ab, weil die Literatur mit ihren
Gestaltungsmitteln Möglichkeiten bereitstellte, das Schick-
1 Vgl. dazu: W. Panofsky, Die Geburt des Films, S. 15 ff. -
K. A. Götz, Der Film als journalistisches Phänomen, Düs
seldorf 1937, sieht in der Repräsentation den kunstbe
dingenden Faktor der nationalsozialistischen Ästhetik. -
2 Diese Idealvorstellung des Künstlers entspricht aber nicht
mehr den bei Plato angenommenen absoluten Ideen, die als
die einzigen, wahren, unveränderlichen und ewigen Urbilder
der Dinge gesetzt wurden, an die sich das Bewußtsein aus
einer Zeit, als es noch neben ihnen existierte, wieder
erinnerte. (Timaios 45 c ff.) Hier sind es die "Urbilder",
die in allen Angehörigen derselben Rasse schlummern. Durch
diesen Gedankengang konnte G. Müller in seiner "Dramatur
gie des Theaters und des Films", der für die Theaterdrama
turgie einen bürgerlich-konservativen Standpunkt vertrat
und im Anfang seines Kapitels über die Filmdramaturgie
apodiktisch erklärte, Film könne keine Kunst sein, doch
noch zu dem Schluß kommen, im Film die einzig repräsentati
ve Kunst der Neuzeit zu sehen. - Vgl. dazu: ders. ebd.,
S. 138 ff.

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