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neuen Ausdrucksmittels ging der Menschheit ein Traun in Er
füllung, der in seiner Bedeutung allein mit der Eroberung
der Luft zu vergleichen sei. Der Film galt als "das erleb
nisstärkste Mittel der Berichterstattung, weil das Sehen die
befriedigendste und überzeugendste Form der Kenntnisnahme
von einem Tatbestand ist. Mit dem Auge nimmt man am umfasend-
sten auf: das Geschehen im großen wie die kennzeichnenden
kleinen Einzelzüge, das Faktische wie das Atmosphärische.
[...] Er hat die Menschen mit einem neuen Augenerlebnis be-
o
schenkt." An die Stelle des bisherigen Lernens sollte das
bildhafte Lernen treten, das Erleben, das wiederum am leich
testen mit Hilfe des Films geschah, der "in der Geschichte
des Sehens als eine neue Sprache des Auges" begriffen wurde.
Man sah es nicht als zufällig an, "daß wir in einer Epoche
leben, deren Hauptmerkmal der Drang zum optischen Erleben
ist."^ "Das gedruckte Wort riß in den seltensten Fällen mit"P
schreibt Kriegk, geschah es dennoch, so allein durch einen
"lebendigen Vortrag", 1 2 3 4 * 6 an dessen Klang, aber nicht an dessen
Begrifflichkeit sich ein Erlebnis entzünden konnte.
Aus diesem bildmäßigen Denken der Masse resultiere auch
ihre Neigung zu konkreter, gegenständlicher, der Wirklich
keit angenäherter Darstellung in der Kunst. Man versuchte
nachzuweisen, daß in der gesaunten Kunst des Abendlands eine
immer größere Annäherung an die Wirklichkeit stattgefunden
habe. Diese Tendenz habe in der Kinematographie ihre größte
Erfüllung gefunden. Realität wird aber nicht im Sinne der
Stilrichtung des Realismus verstanden als ein Orientieren an
der empirischen Wirklichkeit, sondern im Verständnis Schillers
1 Traub/Lavies, Das deutsche Filmschrifttum, Leipzig 1940,
S. 1.
2 Maraum, S. 370.
3 R. Bie, Emil Jannings, Berlin 1936, S. 5»
4 W. Panofsk7, Die Geburt des Films, S. 12 f.
3 0. Kriegk, a.a.O., S. 5»
6 Ders., ebd.

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