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den aus ihr resultierenden Erkenntnisprozeß, wenn er schreibt:
"Poesie ist die Muttersprache des menschlichen Geschlechts;
... Gleichnisse. - als Schlüsse: ... Sinne und Leidenschaften
reden und verstehen nichts als Bilder. In Bildern besteht der
ganze Schatz menschlicher Erkenntnis und Glückseligkeit. ...
Reden ist Übersetzen - aus einer Engelssprache in eine Men
schensprache. das heißt, Gedanken in Worte. - Sachen in Namen.
- Bilder in Zeichen".^
Durch diese angenommene und erwünschte Reflexionsweise
wird die Möglichkeit begrifflicher Erkenntnis stark reduziert
und kommt einer Richtung der Kulturkritik entgegen, in der
die Möglichkeit umfassender begrifflicher Aussage bezweifelt
wurde. Mit dem Satz "Wir sehen und fühlen kaum mehr, sondern
p
denken und grübeln nur", liefert Herder das Motto für die
Kulturkritik. - Dem Wort gegenüber war man skeptisch gewor
den; es hatte im Laufe der Jahrhunderte zu viel an Begriffs
fülle aufgespeichert, als daß noch eine eindeutige Aussage ge
währleistet wäre. Anstatt sich aber auf die Erforschung von
der Möglichkeit der Sprache zu verlegen, trat man den Rückzug
in eine mythische Bilderwelt an, in der allein man wieder das
begrifflich nicht Faßbare ausdrücken zu können glaubte. Die
Möglichkeit bewegter bildlicher Ausdrucksweise erschien da
her schicksalhaft. Bereits um 1900 hätten die Menschen "wie
der zum Bild [ge]griffen, als sie sich von einem Übermaß an
gedruckter und eingepaukter Gelehrsamkeit abwandten und zum
'Einfachen und Natürlichen', zur 'photographierten Wiedergabe
x
der Wirklichkeit' zurückgingen". "Fast 500 Jahre konnte der
Mensch von einem lebendigen Geschehen nur erzählen in Worten,
h.
Schriftzeichen oder Bildern". Mit der Erfindung des Films als
1 J. G. Hamann, Aesthetica in nuce, in: Sturm und Drang,
Kritische Schriften, Heidelberg 1963, S. 121 ff.
2 J. G. Herder, Sämmtliche Werke, Bd. 6, S. 183.
3 0. Kriegk, Der deutsche Film im Spiegel der Ufa, Berlin
1943, s. 105.
4 Traub/Lavies, Das deutsche Filmschrifttum, Leipzig 1940,
S. 1.

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