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Dies gleicht noch durchaus platonischer Seelenvorstel-
lung. Obwohl aber bereits Plato und die Sophisten diese Be
obachtung gemacht hatten, fühlt man sich doch wohl der Sprach
philosophie J. G. Hamanns und J. G. Herders verbunden, wenn
auch dieser Bezug nicht ausdrücklich betont wird.
Diese hatten in legitimer Weise als Reaktion auf den Ra
tionalismus und den optimistischen Glauben der Aufklärung in
der Nachfolge von Leibniz die Zuverlässigkeit der sprachli
chen Uitteilungsmittel der Gegenwartssprache in Frage ge
stellt und demgegenüber die "Festigkeit und Stärke" der Spra
che primitiver Völker gepriesen, die "nicht durch Schattenbe
griffe, Halbideen und symbolischen Lettemverstand (von dem
sie in keinem Worte ihrer Sprache, da sie fast keine Abstrakta
O
haben, wissen) [...] zerstreuet" waren.
In den Überlegungen der Filmtheoretiker und Kulturkritiker
zeigen sich eher Schwäche und Resignation, mit dieser Erkennt
nis fertig zu werden. Als Vertreter einer Zeit, die auf Grund
ihrer wissenschaftlichen Ergebnisse ein sehr differenziertes
Bild der Wirklichkeit zu geben vermag, fliehen sie vor den
Aufgaben, die die Gegenwart an die Wissenschaft stellt, indem
sie sich am Ausdrucksvermögen vorindustrieller Kulturen
orientieren, die eine "bildhafte" Redeweise ausgebildet hat
ten, um die noch unbegriffene Fülle des Daseins im Sinne der
griechischen theoria auszudrücken und im Abschildern ihrer hab
haft zu werden, weil sie noch keine eigene abstrakte Wissen
schaftssprache ausgebildet hatten. Deswegen erfaßt für Herder
die Sprache der Alten noch "den ganzen Gedanken mit dem ganzen
Worte, und dies mit jenem [...] Immer die Sache, die sie sagen
Z
wollen, sinnlich, klar, lebendig anschauend" auszudrücken.
Auch J. G. Hamann meinte noch die "bildhafte" Redeweise, die
in archaischen Kulturen gebraucht wurde, aber nicht so sehr
1 Vgl. dazu: Plato, Timaios, 4-5 eff.; ders. Theaitetos,
186 d; 2CX) d ff.
2 J. G. Herder, Sämmtliche Werke, hg. von B. Suphan, Bd. 6,
Berlin 1891, S. 181.
3 Ders., ebd.

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