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zentration der Kraft auf eine Seite". "Er heißt nicht Ob-
. o
jektivitat, also Schwäche, sondern Wille und Kraft."
3» Film - Hasse
Derartige Anschauungen vom Wesen der Masse in Analogie zur
Frau waren in einer konservativen, bürgerlichen Gesellschaft
vorgeformt. Die zynische Offenheit, mit der hier die Hasse
disqualifiziert wird, mag erstaunen, gehört aber zum Pro
gramm ihrer Eroberung. Hofstätter weist auf diese seit LeBon
bestehende Paradoxie hin, daß der "Verdammung der Masse von
den Massen selbst zugestimmt" werde und entdeckt die Ur
sache in der unpräzisen Formulierung dieses Begriffs, "der
sich - indem mit ihm operiert wird - verwandelt" (8) und für
jeden Einzelnen eine bequeme Distanzierung erlaube. Sie er
möglicht das Gefühl, "selbst gewiß nicht zu dieser zu gehö
ren" (7) und Angehöriger einer Elite zu sein, ohne irgendwel
che "Merkmale der Ausgezeichnetheit" (7) vorgewiesen zu ha
ben. Die massenpsychologische Ideologie löste damit "das In
dividuum aus allen Bezügen heraus, um es - in genauer Abhe
bung von diesen - ganz auf sich selbst zu stellen. Der Indi
vidualismus als Kult mußte wohl früher oder später zur mas
senpsychologischen Ideologie führen; d.h. aber zur Negation
der Gruppe." (10) Da nun in einem totalitären Staat nur für
wenige die Möglichkeit bestand, erklärtermaßen zur Elite zu
gehören, mußte dieses Bewußtsein in eine andere Bahn gelenkt
werden, wozu der unscharfe Gebrauch des Begriffs "Masse" Vor-
schub leistete. Sie hatte in einem nach dem Führerprinzip
aufgebauten Staat durchaus die Funktion, diesen Staat zu ga
rantieren, so daß dem Einzelnen stets die Vorstellung ver-
1 A. Hitler, Mein Kampf, S. 44, 200 ff., 371.
2 Ders., ebd., S. 371.
3 Vgl. P. B. Hofstätter, Gruppendynamik, S. 8; ebenso die fol
genden Zitate, deren Seitenangabe in Klammern beigefügt ist.
4 Vgl. dazu W. Hoppe, Die Führerpersönlichkeit in der deut
schen Geschichte, S. 8 f. und Kap. E.II.a).

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