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stand. - Für eine Dramaturgie, die sich einer Wirkungsästhe
tik verpflichtet fühlt, ist es demnach unerläßlich, die von
ihr erkannte gegenseitige Abhängigkeit beider zu untersuchen
und ihre Vorstellung von der Masse als einem bedingenden Fak
tor des Phänomens "Film" zu artikulieren.
a) Masse im Blickfeld der NS-Ideologie
1. Formbares Instrument eines gestaltenden Willens
Wie für alle Schriften, die sich den Prinzipien der natio
nalsozialistischen Weltanschauung verpflichtet fühlen, gilt
auch für Abhandlungen, in denen das Thema "Masse" im Mittel
punkt der Betrachtung steht, daß dieser Begriff weder vorher
exakt definiert noch im Laufe der jeweiligen Erörterung in
einheitlicher Bedeutung verwendet wird. Selbst innerhalb einer
Arbeit wird er pauschal für verschiedene Modifikationen ge
braucht. Diese Unsicherheit in der Zurechnung haftet der Aus
einandersetzung um das Phänomen "Masse" allerdings seit ihrem
Beginn an und ist bei LeBon als einem der Begründer der So
ziologie der Masse bereits vorgeprägt. Es mag gerade bei ihm
daran gelegen haben, daß er das Entstehen von Massen zwar an
historische Bedingungen geknüpft sah, zugleich aber auch
strukturelle Merkmale, wie Zeiten sozialer Krisen und des
Übergangs, aufzeigte, die für ihr Erscheinen konstitutiv sind,
ohne daß er sich dessen bewußt war und sie in ihrer Funktion
hinreichend scharf voneinander unterschied. Man kann es daher
den in diesem Zusammenhang untersuchten Autoren nicht anla
sten, daß sie die Unterscheidungen der neueren Wissenschaft
noch nicht berücksichtigen konnten, die der Masse durchaus
eine innere Struktur zubilligt und sie nicht als amorphe Men-
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ge ansieht; aber man wird sie nicht vom Vorwurf mangelnder
Differenzierung freisprechen, wenn sie diesem Ausdruck, ohne
1 Vgl. P. B. Hofstätter, Gruppendynamik, Hamburg 1957»
S. 22 ff. und Benfe König, Masse, in: Soziologie, Frankfurt
a. M. 1967, S. 174 f.

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