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b) Überwindung der Argumente der Kulturkritik
Die geistesgeschichtliche Interpretation wird bei diesen
Autoren nicht als eine mögliche Methode angesehen, geschicht
liche Abläufe als sinnhafte Entwicklung zu begreifen, sondern
als das einzig mögliche Prinzip. Daher werden auch die kul
turellen Schöpfungen nicht als mögliche Heflexe gesamtgesell
schaftlicher Vorgänge oder strukturaler Veränderungen der
einzelnen Kunstarten betrachtet, sondern allein als Objekti-
vationen des Zeitgeists, der sich in ihnen expliziert. So
ziale Umstrukturierungen werden in monokausalem Abhängigkeits
verhältnis als Resultate ihrer geistigen und kulturellen Be
gleiterscheinungen betrachtet: die Gesellschaftskrise zeigt
sich als Kulturkrise.
Beide - Panofsky und Gronostay - sind dennoch in der Form,
wie sie sich hier präsentieren, nicht solche Extreme, wie es
den Anschein haben könnte. Sie verbindet eine aufklärungs
feindliche Tendenz und ein von unveränderbaren Paktoren be
stimmtes Geschichtsbild, das sie zu dem Ergebnis kommen läßt,
einen bestehenden Zustand nur rechtfertigen oder beklagen zu
können.
Beide bewegen sich mit der Vielzahl von Komponenten, die
sie als konstitutiv für die Entstehung der Kinematographie an
führen, auf wesentlich höherer Reflexionsebene als etwa denk
bare PiImgeschichten, deren Vorstellung von Historie auf ein
vom Rassenkampf bestimmtes Geschichtsbild reduziert ist, wie
p
es bei Hitler und Rosenberg anzutreffen ist. Im Gegensatz
zur konservativen Kulturkritik verbleiben sie auch beide nicht
in Resignation vor dem Kommenden oder Apologie des Bestehen
den, sondern sehen im Nationalsozialismus einen "Regenerie—
1 Vgl. dazu H. Marcuse, Der Kampf gegen den Liberalismus, der
in der "klassischen" Formulierung der irrationalistischen
Theorie ("die Wirklichkeit läßt sich nicht erkennen, sie
läßt sich nur anerkennen", H. Forsthoff, Das Ende der huma
nistischen Illusion, 1933» S. 25) den "äußersten Gegenpol
zu allem vernünftigen Denken und [...] zugleich ihre tief
sten Absichten" enthüllt sieht. (S. 29)
2 In welcher Form sich dieses äußern kann, zeigt Kap. IV.

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