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konsequente Perversion genannt wird, sondern das Ende aller
"Bindungen", sprich Abhängigkeiten, aus denen allein eine"un-
gebrochene Kultur"hätte entstehen und die bestehenden Ver
hältnisse verherrlichen können: "Aber alles hat seinen Preis,
auch der Reichtum. Man mußte das Geld mit Geist bezahlen, man
mußte die Ungebundenheit gegen Sittlichkeit eintauschen."(24)
Es war "ein Zersetzungsprozeß der Kultur eingetreten.
Um Klassenunterschiede rechtfertigen und aufrecht erhal
ten zu können, mußte diese Ideologie "das diesseitige Glück
der Menschen, das mir durch eine vernünftige Organisation der
Gesellschaft herbeizuführen ist, diffamieren und es durch an
dere, weniger 'handgreifliche' Werte ersetzen. Was sie dem
Materialismus entgegenstellt, ist ein heroischer Pauperis-
2
mus." Der anonymen Macht des Geldes wird die Schuld für
menschliche Fehlhaltungen zugeschrieben und auf diese Weise
eine materielle gesellschaftliche Auseinandersetzung ins Ethi
sche abgedrängt, so daß schließlich die entstandenen und noch
bestehenden materiellen Verhältnisse gerechtfertigt und auf
recht erhalten werden konnten, weil sie ideell relativiert
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wurden.
1 Zum Begriff "Zersetzung" vgl. C. Beming, Vom "Abstam
mungsnachweis", S. 211 ff.
2 H. Marcuse, Der Kampf gegen den Liberalismus, S. 29.
3 Da dies nach konservativer Meinung sowohl im Wesen des
Menschen als auch in dem des Reichtums lag, war es apriori
nicht änderbar. Weil der Faschismus keinen Eudämonismus
zum Ziel hatte, brauchten die Besitzverhältnisse nur mora
lisch disqualifiziert zu werden, um weiterhin bestehen
bleiben zu können. - Diese typische Haltung des Konserva
tivismus zeigt sich in vielen Filmen des Dritten Reichs und
läßt sich bis heute in der Boulevard-Presse verfolgen, die
durch die Schilderung menschlicher Nöte von hochgestell
ten Persönlichkeiten diese auf ein gemeinsames Gefühls
niveau mit dem Leser bringen möchte.

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