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elitär verstehenden Führungsschicht aufgehoben und -ih-p Selbst-
Verständnis in Frage gestellt.
Das zeigt die Reaktion auf das Scheitern des Liberalismus
bei Gronostay: "Aus der Herrschaft der Gleichen wurde die
Herrschaft der Reichen, aus der Demokratie die Plutokratie."
(24) Als Grund für sein Scheitern wird der realitätsferne
Charakter der "Idee der Gleichheit" angegeben, der auf Grund
der "natürlichen Ungleichheit der Menschen" "ganz und gar
nicht in Wirklichkeit umzusetzen" (24) gewesen sei. Statt po
litische Ursachen anzugeben, wird ins Existenzielle ausgewi
chen. Bei einem so begriffenen Menschenbild bot sich als Al
ternativlösung nur ein nach dem Führerprinzip geleiteter Staat
an. Und daher wird letzten Endes auch nicht allein der biolo
gische Unterschied für die Auswirkungen der Revolution und
das Scheitern des demokratischen Prinzips verantwortlich ge
macht, sondern recht eigentlich das "ungebundene Staatswesen",
die Demokratie, die nicht die Fähigkeit gehabt habe, "eine
qualitative Unterschiedlichkeit in ihr System" (24) einzuord
nen, sprich unterzuordnen, wie es "in einer gebundenen Staats-
O
Ordnung" (24) der Fall sei. Demzufolge wird auch nicht das
Scheitern der Demokratie beklagt, wenn Plutokratie als ihre
1 Die Emanzipation des Bürgers, die sich z. B. im literari
schen Bereich in der Aufwertung des Romans als "bürgerliche
Epopöe" dokumentiert, im bürgerlichen Trauerspiel und der
Selbstbewußtwerdung des Künstlers, wurde schließlich an bio
logischen Prävalenzen festgemacht und konnte auf diese Wei
se alle künstlerischen Neuerungen, wie z. B. die große Sona
te in der Musik, die literarischen Produkte des Geniekults
oder das Bekanntwerden von Schauspielernamen, auf die Durch
setzungskraft der großen Persönlichkeit reduzieren.
2 Über den Unterschied zwischen dem Begriff des Staats, wie
er sich in diesem Verständnis von Hegel herleitet, und dem
der Gesellschaft, auf den bei Gronostay angespielt wird
("aus der Idee des Staates wurde die Idee der Gesellschaft"
(29)), der wohl im Zusammenhang mit dem verurteilten Li
beralismus im Sinne von Tönnies verstanden werden soll und
mit negativem Gefühlswert geladen ist, braucht hier nicht
weiter eingegangen zu werden. Es bestärkt nur die durch
gehende Linie.

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