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2. Das geistesgeschichtlich bestimmte Geschichtsbild
(bei Gronostay)
Diese Haltung zeigt sich auch bei anderen Darstellungen,
von denen im folgenden stellvertretend die von W. Gronostay,
Der Film im Strome der Geistesgeschichte, herangezogen werden
soll. Während Panofsky den Typ der Kulturanthropologie re
präsentiert, die die Geschichte der Menschheit von apriori
schen, biologischen Determinanten als Konstanten bestimmt
sieht, denen er sich nicht entziehen, auf die er nur reagie-
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ren kann, versteht sich Gronostay als Vertreter der reinen
Geistesgeschichte, die ausschließlich die geistigen Verände
rungen als bestimmend für alle sozio—kulturellen Bereiche an
sieht, ohne zu reflektieren, ob sie nicht Folge anderer Ur
sachen sein könnte oder aber in dialektischem Bezugsverhält-
nis zueinander stehen.
aa) Argumente der Kulturkritik
11 Liberaisismus als Verlust aller Verbindlichkeiten
Die Bedingungen für die Möglichkeit der Entstehung der Ki
nematographie sah man in konservativen Kreisen in einer Epoche
umwälzender geistiger Veränderungen gegeben, die als bestim
mend für alle anderen Umstrukturierungen betrachtet wurden.^
In dieser Zeit habe der Mensch die inneren Beziehungen zu
seinen "Ursprüngen" verloren, die in den mythischen Bereich
1 W. Gronostay, Der Film im Strome der Geistesgeschichte, in:
JbRFK 37, S. 22-29.
2 Vgl. dazu Möller van den Bruck, Das Dritte Reich, Hamburg
1933» S. 210, zit. bei: H. Marcuse, Der Kampf gegen den Li
beralismus, S. 26: "Die Natur ist konservativ, weil sie auf
einer nicht zu erschütternden Konstanz der Erscheinungen be
ruht, die sich auch dann, wenn sie vorübergehend gestört
wird, immer wieder herstellt."
3 Vgl. W. Gronostay, Der Film im Strome der Geistesgeschichte;
C. Neumann, C. Belling, H. W. Betz, Film "Kunst", Film-Kohn,
Film-Korruption, Berlin 1937; F. Hippler, Betrachtungen zum
Filmschaffen, Berlin 194-3» S. 72 ff.

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