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tische Stellung, die der Film im Dritten Reich einnahm, sei
ne Fürsprecher angeregt und ermutigt wurden, darf ohne Zwei
fel angenommen werden.
Aus den Argumenten, die man der konservativen Kulturkri
tik zurechnen kann, werden im folgenden die referiert wer
den, die im Zusammenhang dieser Arbeit insofern von Inter
esse sind, als sie sich in der theoretischen Filmliteratur
niederschlagen und zeigen, wie sehr die Rezeption dieses neu
en Mediums und seine kulturelle Standortsbestimmung von die
sen Ansichten beherrscht sind. Dabei gleichen sich in der
Argumentation die kritisierten Phänomene bei Völkisch-Kon
servativen, Nationalsozialisten und Marxisten, ihre Begrün
dung allerdings differiert entsprechend. Doch während die
Kulturpessimisten in ihrer Resignation gefangen bleiben, se
hen Nationalsozialisten wie Marxisten jeweils einen Ausweg
-i
aus dieser Misere in ihrer Ideologie.
1. Das biologisch determinierte Geschichtsbild
(bei Panofsky)
Die faktischen Ursachen, die für die Entstehung des Films
im vorigen Jahrhundert angeführt werden, gleichen sich bei
den meisten Autoren. Sie sind, nach Panofsky, "im wesentli-
p
chen massenpsychologisch begründet". Das Zeitalter der In
dustrialisierung und das damit entstandene Proletariat wer
den bei ihm als schicksalhaft hingenommen, als ein biologi
sches Naturereignis, aus dem die Konsequenzen zu ziehen
waren:
1 Die beiden Darstellungen, die im folgenden stellvertretend
für zwei Ausformungen im Grunde doch nur eines Geschichts
verständnisses untersucht werden, stammen aus der Zeit der
"Stabilisierung", die mit dem I. Jahrestag der Reichsfilm
kammer 1937 angesetzt werden kann.
2 W. Panofsky, Die Geburt des Films, S. 11; die Zitate wer
den im folgenden mit eingeklammerter Seitenzahl im Text
gekennzeichnet.

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