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D. DIE POSITION DES PHÄNOMENS "FILM" IN DER IDEOLOGIE
DES NATIONALSOZIALISMUS
I. Die Kinematographie als notwendiges Produkt eines
historischen Prozesses
Die meisten Abhandlungen über die Entstehung der Einemato-
-1
graphie suchen nach Gründen, die die "Geburt des Films" ge
rade am Ende des 19« Jahrhunderts erklären sollen. Man glaubt,
in der bildlichen Wiedergabe der Bewegung einen alten Mensch
heitstraum durch die Mittel der modernen Technik verwirk
licht zu sehen und führt zur Erklärung dieser These zahlrei
che Beispiele an, wie man seit den ältesten Kulturen mit den
jeweils vorhandenen Mitteln Bewegung darzustellen bemüht war.
Sie kulminierten am Ende des vorigen Jahrhunderts zusammen
mit derart vielen anderen Begleiterscheinungen in der Ent
stehung des Kinos, daß man an einen Zufall nicht recht glau
ben mochte. Die Entstehung der Kinematographie ist daher ein
dankbarer Gegenstand für z. T. recht spekulative Überlegun
gen und scheint sich wegen seiner Verflechtung mit vielen
1 So z. B. W. Panofsky, Die Geburt des Films, Ein Stück Kul
turgeschichte, Versuch einer zeitgeschichtlichen Darstel
lung des Lichtspiels in seinen Anfangsjähren, 2. verb.
Aufl., Würzburg 1944, dessen Überlegungen sich auch in dem
dickleibigen Werk von F. v. Zglinicki, Der Weg des Films,
Die Geschichte der Kinematographie und ihrer Vorläufer,
Berlin 1956, 992 S., wiederfinden, ohne daß dieser aber
ihre weltanschauliche Gebundenheit anmerkt. R. Oertel,
Filmspiegel, Wien 1941 - J. Gregor, Das Zeitalter des Films,
Wien-Leipzig 1952. - Die Metapher "Geburt" im Titel von
Panofskys Buch mag zwar durch die allgemein gebräuchliche
Verwendung dieses Ausdrucks für Neuerscheinungen unproble
matisch erscheinen, spiegelt aber doch das Verständnis von
Kulturgeschichte wider, die Panofsky von biologischen Phä
nomenen determiniert sieht. Vgl. in diesem Zusammenhang
auch den Vortrag von W. Gronostay bei der I. Jahrestagung
der Reichsfilmkammer 1957: Der Film im Strome der Geistes
geschichte, in: JbRFK 57, S. 22 ff. Auf diesen Vortrag,
der die oben erwähnten Überlegungen behandelt, wird in den
folgenden Kapiteln näher eingegangen.

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