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ten und seine Zurechnungsfähigkeit nach ihrem eigenen Er-
meſſen entscheiden, wenn dem ärztlichen Urtheile solche Ru f
ſonnements zum Grunde liegen, die dem Kreise der gemeinen
Erfahrung angehören. Dieser Grundsatz ergiebt auch folgende
ſehr einfache Betrachtung. .
Die Beurtheilung factiſcher Zuſtände iſt dem Rechtsge-
lehrten, nach den beſtehenden Gesetzen, nur in zwei Fällen un.
bedingt entzogen, bei Wunden und andern Körperverletzungen
und dann bei der Beſtimmung von den Preiſen der Dinge.
; In dem erſten Falle sollen Aerzte, in dem zweiten Fall die
beeidigten Taxatoren adhibirt werden, Für. alle andere Fälle
iſt gesetzlich nichts beſtimmt. Wenn alſo in gerichtlichen An-
gelegenheiten die Frage vorkommt, ob jemand sanae menlis
iſt oder nicht, ſo ſteht dem Richter nicht blos die Befugniß zu,
über die Frage zu entscheiden, wenn der Fall von der Be-
ſchaffenheit iſt, daß sich ohne besondere Kunſtkenntniß darüber
. entscheiden läßt, sondern es muß auch dem Richter geſtattet
seyn, darüber ein Urtheil zu fällen, ob die Beurtheilung des
Falles innerhalb der Grenzen der gemeinen Erfahrunng und.
des gesunden Verſtandes liegt, oder ob dazu besondere wiſſen-
ſchafcliche Kenntniſſe erforderlich ſind. Daß letzteres aber nicht
der Fall sey, ergiebt sich am beſtimmteſten alsdann, wenn in .
dem Gutachten der Medizinalbehörde über pſychiſche Zuſtände
von medizinischen Kenntniſſen kein Gebrauch gemacht wird,
wenn die Gründe nicht aus dem Gebiet des ſpeciellen wissen-:
schaftlichen Fachs entlehnt, sondern von der Art ſind, wie die
gemeine Erfahrung ſie jedem Menſchen von gesundem Ver-
ſtande ah die Hand giebt. Was in einem solchen Fall die
Mitglieder eines Medizinalcollegiums kennen oder glauben,
. fann nicht mehr Gewicht haben als die Anſichten und Mei-
nungen anderer Männer, die nicht zum Gericht gehören. ~
Ueber die verschiedenen Anſichten, diese Frage betreſfend „ veri
dient nachgelesen zu werden, was C. G. Wächter darüber
vorgetragen hat, in der kritischen Zeitſchrife für Rechtswiſſen-
schaft, 3. Bd. S. 77 u. f. § p:? ; ?
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