Full text: Staatsbürgerliches Magazin mit besonderer Rücksicht auf die Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg (Siebter Band)

  
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. Erſt, vor etwa ſechszig Jahren, fand der Schweizer Joe / 
hannes — damals noch ſchlechtweg bürgerlich Müller zube- 
nannt ~ Zweifel gegen die hergebrachte Meinung von dem 
Urſite der Cimbrer. Er ſchrieb ein eigenes Buch De hello 
Cimbrico Tigur. 1770, in welches er alle das Cimbrervolk 
und seinen Zug nach Italien betreffende Stellen der Griechi- 
schen und Römiſchen Auktoren sammelte, ſie von neuem einer 
[ kritiſchen Reviſion unterwarf, und dann daraus folgerte, es sey 
noch gar nicht ſo ausgemacht, daß die den Römern einſtens 
so ſchrecklichen Cimbrer, wie bis dahin allgemein angenommen 
wurde, von Norden herkamen und ihren ursprünglichen Sitz 
an der Nord- und Oſtſee auf der jütiſchen Halbinsel hatten, 
sondern es sey, wenigſtens eben so wahrscheinlich, daß ſie von | 
dieſem Zuge am ſc<warzen Meere geseſſen waren. Die von 
Müller gegen die bis dahin geltende Vorſtellung vorgebrachten 
Gründe und Einwendungen schienen einigen neueren Bearbei- 
tern der Deutſchen und Däniſchen Geſchichte von Gewicht und - 
ſie fanden sich durch dieselben bewogen,. die Cimbrer und ih: 
ren Römerzug, als nicht gehörtg zur Geſchichte des Volks, deſ- 
sen Thaten und Unternehmungen ſte erzählen wollten, mit 
Stillſchweigen zu übergehen, oder höchſtens ihrer als einer un- 
beſtimmten Sage und eines hiſtoriſchen Problems zu erwähr 
nen. So ſagt Chriſtiani, der gerade damals, als Müller 
seine Schrift herausgab, mit dem Sammeln der Materialien ! 
zu einer Schleswig : Holſteiniſchen Geſchichte beschäftigt war, 
gleich zu Anfang .seines Werks (Th. A. 8. 30.) ,„Gemeinig- 
e-lich pflege man die Züge der Cimbrer anzuführen, die nach 
„„einer großen Ueberſchwemmung ihr Land verließen, ſich an- 
„dere Wohnſitze zu erbitten, oder zu erkämpfen, das Gebiet 
„„der Römer betxaten und endlich, nebſt ihren Bundesgenoſ- 
„„en, von Cajus Marius eine ſchreckliche Niederlage erlitten, 
„„Allein, man iſt von dieser Meinung zurückgekommen, nach- 
»-dem eine genauere Unterſuchung der Zeugniſſe auf die Entde- 
. „ung geführt hat, daß die Cimbrer-t welche Marius über- 
„„wand, keine Sehleswiger und Holſteiner [auch keine Jüten] 
„„ſ0ndern aus ganz anderen Gegenden waren.‘f s 
Mögen indeß die von Müller gegen die hergebrachte 
Meinung über den Urfitz der Cimbrer, oder deren Haupt- 
ſtammes (cadre) noch ſo triftig ſeyn, ſo haben sie doch nicht 
bei allen neueren Geſchichtsforſchern Eingang finden können. 
Es will vielmehr scheinen, daß die alte hergebrachte Meinung, 
nach welcher die Cimbrer Bewohner Jütlands waren, wieder 
die herrſchende werden ſoll. Man ſpricht in manchem neue- 
  
  
 
	        

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