Full text: (Siebter Band)

  
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übertragenen Beruf doppelt heilig machen, ihren Eifer zur t:; 
Erforschung des wahrhaft Heilſamen schärfen und erwärmen; 
sie müſſen daher, so weit es in menſchlichen Vereinen denk- 
bar iſt, die reinſte Einsicht und den reinſten Willen, die in- 
tellektuellen und moralischen Kräfte der Volksgemeine in 
sich vereinen. So ſtellt die Repräsentativverfaſſung das mo- 
raliſch - intellektuelle Reich, die Seele des Volks dar. 
HWelie jedes vernünftige Wesen sich selbſt die Gründe ei- 
„ ner vorzunehmenden Handlung entwickelt, sie prüft, mit 
den entgegenſtehenden Gründen vergleicht und nach dem : 
Uebergewicht dieser oder jener seinen entscheidenden Beſchluß 
faßt, ſo muß auch nothwendig eine repräſentative Versamth- 
lung jede ihrer Entscheidung unterliegende Angelegenheit, 
(welche eine Volksgemeinde nur der unmotivirten Aeußerung 
ihrer bejahenden oder verneinenden Willensmeinung unters 
ziehen kann), einer sorgfältigen Prüfung unterwerfen. Die 
entgegenſtehénden Meinungen der Repräsentanten sind den 
Gründen und Gegengründen zu vergleichen, welche. sich die. 
Vernunft entgegengeſtelt und mit Recht werden ihre Ver- - 
handlungen daher Debatten genannt, In der Vernunft 
entscheidet nicht nur die Zahl, sondern das Gewicht der 
Gründe, in der repräsentativen Versammlung, wo die Stimme 
jedes einzelnen Repräsentanten gkeichen qualitativen Werth 
hat, kann nur das quantitative Verhältniß entscheiden, weil 
dadurch zugleich das qualitative Uebergewicht ausgedrückt iſt. 
Die vola minora erſcheinén hier als rationes cubitandi,. 
. die majora als xationes. decidendi, welche das Ueberge- 
wicht haben. Der Beſchluß iſt daher der Ausspruch der - 
repräsentirten Volksvernunft. Diese Majorität iſt, wenn 
nicht etwa ausdrücklich verfassungsmäßig bei der Entscheidung 
gewisser Fragen eine beſtimmte größere Ueberzahl erfordert - 
wird, immer nur die absolute Mehrheit der Stimmen plu- 
rima vota, welche der Unanimität völlig gleich steht, wenn 
. ie auch nur in der Mehrheit einer einzigen Stimme beſtände. 
Gleichheit der Stimmen iſt der Unentſchiedenheit der Ver- 
 
	        
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