Full text: (Siebter Band)

mögliche anerkannt, daß in allen so. verſchiedenartigen, ſelbſt 
in den demokratiſchſten Formen der Verfaſſungen, welche die 
Völker in der neuen Welt angenommen haben, keines von 
demſelben abgewichen iſt, und sogar die Franzöfiſchen Jaco- 
biner ihre Thorheit nicht so weit trieben, dies Princip der 
Form nach zu verläugnen. Die ganze ncuere Geschichte 
lehrt, daß alles Unheil über die repräsentativen Staaten das 
durch gebracht ward, daß. das repräsentative Princip, wenn 
auch der Form nach beſtehend, doch im Weſen geschwächt, ' 
erfchüttert, umgeſtürzt ward, \ daß eine Parthei, welche kein 
h- moralisches Uebergewicht erlangen konnte, außer der Reprä- 
| sentation ſelbſt Mittel suchte, sich ein physisches Uebergewicht 
zu verſchaffen und Gewalt an die Stelle der Vernunft, 
Anarchie an die Stelle geseßlicher Ordnung trat. Von den 
Zeiten des anarchischen. Uebergewichts ‘der Jacobiner mit 
Hülfe der Marseiller Föderirten und der aufrühreriſchen Pas 
] riſexr Sectionen bis zu den Zeiten. der Communerogs und 
| der Hammer-Parthei in Spanien und den neyeſten Vor« 
fällen in Griechenland herab, iſt die Geschichte der letten 
's Jahre reich an Belägen zu dieſer Behauptung und beſtäz 
| tigt de Lolme’s Worte: „eine Repräsentativ-Ver-= 
E _ faſſung giebt die Hülfe denen in die Hände, welche. die 
Unordnung empfinden, eine Popular-Verfassung dage- 
gen denen, welche an der Unordnung Schuld ſind. -- 
Was aber hier von ganzen Staaten gesagt iſt, das 
findet auch bei einzelnen Distrikten oder Landschaften eben so .. 
vollgültige Anwendung. Auch diese können die ihnen ver- 
faſſungsmäßig zuſtehenden Rechte nur durch Repräsentanten 
zum Heil ihres Bezirks ausüben. Eine. jede Volksmaſſe. iſt,. 
wie schon ein berühmter Athener sagte, ein tausendköpsiges 
Ungeheuer; in der Mehrzahl der Individuen prävalirt der 
Eigenwille, das egoiſtiſche Intereſſe, jeder hält ſich befugt, 
nach seinem einseitigen Vortheil oder Vorurtheil ohne Rück-. ; 
| “ icht auf das Wohl seiner Mitbürger ſeine Entſcheidung abe 
_ zugeben und der ſchlauere, einflußreichere, begüterte wird 
  
  
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