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S. 87 ſchon gedruckt war, und Dahlmann, der einen feſten Bo-
den liebt, ſich nunriehr ganz an jenen Fund anſchloß, ſich da-
„mit aber auch einſtweilen begnügend. Das Argument, wel-
ches man für die frieſiſche Nationalität: der Dithmarſchen,
wenigſtens der Marſchbewohner, daraus entnommen hat, daß
die Behauptung des Gegentheils zur Annahme einer Lücke
wiſchen den Oſt- und Nordfrieſen zwingt , welche Annahme
" wieder zu der Annahme ſührt, daß die Nordfrieſen eingewan-
. dert. ſeyen, was durchaus unerweislich iſt, dies Argument ſcheint
mir nicht aus der Luft gegriffeu zu seyn, vielmehr ſich eben
recht an die Erde anzuschließen, Denn wo an deutſcher Küſte
gegen die Weſtſee etwas einzudeichen war, ja ſelbſt bis nach
Tondern hinauf, finden wir von Alters her Friesen , dies in-
tereſſante Amphibienvolk, halb auf dem Lande, halb im Waſe
ſer lebend, bei dem die Freiheit kein bloßes epilheton ornans
war. Auch das eigenthümliche Streben der Dithmarſchen nach
demwokratiſcher Verfaſſung, welches ein Lebensprinzip ihrer Ge-
' teen kann, iſt ächt frieſiſch, und ihr altes Recht ſchließt
lich mehr dem frieſiſchen. als. dem ſächſiſchen an. D utzens
Beweis, so gelehrt er auch geführt worden, iſt freilich, seiner
Horptrichtang nach, ein verfehlter; denn auf dieselbe Weise
könnte man, und vielleicht noch beſſer, aus der Sprache dar-
thun, daß die Nordſchleswiger ursprünglich. Deutsche ſeyen.
Warum könnte nicht in Dithmarſchen ein eigener Nebendia-
left geherrſcht haben, der zwischen dem niederſächſiſchen und
, frieſiſchen das Mittel bildete? Damit ſoll keinesweges geſagt ſeyn,
daß Ougtzens Sprachbeweis nicht als ein unterstützender gebraucht
“werden könne. Zahlreich müſſsen freilich die . sächſiſchen Ge .
. Cchlechter im Dithmarſchergau von jeher gewesen seyn, denn
„sonſt hätte man das Volk, ſeiner Sprache und Sirte nach, !
nicht ſchon ſo früh für ein ſächſiſches erklären können. In Dith.
marſchen iſt Mancher geneigt, fein Volk für ein ursprünglich
" fhaächſiſches zu halten, weil die Antipathie deſſelben gegen dien.
. Nordfriefen noch. nicht ganz verſchwunden iſt. Dies Argu-
[ment darf ſich freilich gar nicht geltend machen. Denn jene -
Abneigung erklärt ſich, zumal bei so freien und ſich benachbar-
„ten Volksgemeinden, wie die Dithmarſcher und Frieſen, sehr
„keicht aus der Geschichte, aus der durch Jahrhunderte sich hin..
durchziehenden Reihe unzähliger Streitigkeiten und Befehdun-
gen. Wie ſich durch policiſche Verhältniſſe ſolche n
tér Nachbaren einwurzeln, uwd die Erinnerung an die ur-
sprüngliche Mationaleinheit aus dem . Volksgedächtniß und
§ Volksglauben ganz verwischen kann, zeigt ſelbſt in neuerer Zeit

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