Full text: (Sechster Band)

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als richtig bewährt; deny am Schlusse des §. 19. heißt es, 
daß den Apothekern ihre Bortheile rücksichclich ihrer Forderun- 
geu in Concurs: und Erbmassen, nur deshalb zugestanden sind, 
weil ste ihre Medicamente auch ohne baar Geld verabfolgen 
lassen müssen. Beweis genug, daß dem Gesselzgeber die Idee 
vorschwebte, daß es keines ausdrücklichen Gebietens zur Ge- 
kt!ns des Credits bedürfte, weil solches sich von selbst ver- 
and. 
Das einzige was denn nun hievon abgesehen in Krank- 
heitsfällen, Lie unvermögende und leine Lente treffen, wohl 
zu ihrer Hülfe zu geschehen pflegt, ist, daß die Armencasse des 
beikommenden Orts die Medicamente zu bezahlen übernimmt. 
Einestheils kann dieses Verfahren aber nur dann wirklich von 
Nuten seyn, wenn die Krankheir so beschaffen ist, daß keine 
augenblickliche und schnelle ärztliche Hülfe erfordert wird, in- 
dem in diesem Falle oft die über die stattgehabte Deliberation, 
in Betreff der Frage: ob der Kranke auf Kosten der Armen- 
casse ärztlich behandelt werden sollz; verstrichene Zeit, denselben 
unwiederbringlich dem Tode entgegenführt, anderntheils lassen 
sich auch ost keine rechtliche Gründe anführen, um der Ar- 
mencasse diese neue Last aufzubürden. So lange Jemand noch 
an einem Orte mit Grundstücken ansesstg ist, o lange kann 
man ia auch nicht arm nennen, und mit Recht muß die 
Armenc:i;se darauf Bedacht nehmen, für wirklich Arme ihre 
Ueberschüjse aufzusparen. Dasselbe gilt auch von dem zuwei- 
len erzriffenen F.ülfsmittel, daß die Armencasse für den Kran- 
ken die Bürgschaft bei dem Apotheker übernimmt. Zu die: 
sem allen können immer nur Gründe des Mitleids führen, 
indem die Gründe des Rechts offenbar den Vorstehern der 
Armencasse befehlen, ihre Gelder nur für wirklich Arme ihrem 
Zwecke nach zu verwenden. Viel näher liegt doch stets die 
Verpflichtung der Apotheker zum Creditiren vor Augen, als 
wodurch derselbe Zweck erreicht wird. Diese Verpflichtung ist 
eine wahre Obligatio ex lege und die Verbindlichkeit der 
Armencasse nur eine unvollkommene Liebespflicht, deren Er- 
füllung der Kranke nicht mit Grund Rechtens verlangen kann,. 
Duß es nun für das allgemeine Wohl der leidenden 
Menschheit nur vortheilhaft seyn könne, wenn auf die Erfül- 
lung der Pflicht der Apotheker zum Creditiren genau gemerkt 
würde, bedarf keiner näheren Erörterung. So selten auf der 
einen Seite die Apotheker Schaden leiden werden, sobald sie 
ihre Forderung zur gehörigen Zeit beizutreiben bemüht sind, 
oder sich bet gänzlich Unbegüterten zeitig an die Armencasse 
wenden, um von daher sich ihren Erwerb zu sichern, so er-
	        
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