Full text: (Sechster Band)

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gut bezahlen, daß ihnen nicht ein größerer Preis angeboten 
werden könnte, wenn die hohen Zollssätze dem Unterschleife 
einen reichlichen Gewinn gewähren. Und wahrlich der Ei- 
gennutz hat hier eine harte Probe zu bestehen. Der Gehalt 
der Zollbediente besteht gewöhnlich größtentheils in ihrem 
Antheil der eingezognen Waarenz; könnte es ihnen gelingen, 
den Unterschleif gänzlich zu verhüten, so vertrocknet die reichs 
ste Quelle ihrer Einkünfte, wohingegen, wenn sie durch klus 
ge Nachsicht den Schleichhandel im Leben. erhalten, gesetzt 
auch sie lassen nicht den Unterschleifern thätliche Beihülfe 
angedeihen, sie sich ihrer gewöhnlichen Einnahme versichern. 
Und darf man mit Recht auf einer uneigennütigen Pflicht 
erfüllung bei einer solchen Menge von JIndividien,. ohne 
Wahl gewöhnlich in ihrem Beruf angesetzt, rechnen, da wo 
der Reiz und die Versuchung zur Pflichtübertretung so 
groß und die Gelegenheit dazu so häufig ist. Aber angenommen, 
daß ein vervielfachtes Zollpersonal das bisher Unerreichbare er- 
reicht, und daß der Unterschleif durch die Vervielfältigung der 
Controlle unmöglich wirdz welcher Antheil der Zolleinkünfte 
wird nicht zu einem solchen Aufwande genommen werden 
müssen, und wie wenig wird nicht in den Staatsschatz flies 
ßen? Der größte Theil des so schwer drückenden Zolles 
wird alsdann vom fleißige Volke hergegeben werden, um 
ein Heer unproductiver Zölner zu futtern. Aber .das 
Schlimmste bei dieser Sache ist noch, daß die Regierung nie 
mit Bestimmtheit sagen kann, ob sie den Zweck ihrer kost- 
baren Anstalten erreicht habe oder nicht; denn erfolgen 
bei einer vermehrten Aufsicht keine Confiscationen und. wollte 
man daraus schließen, daß der Schleichhandel gehemmt wä- 
re, so ist es leicht möglich, daß jener in der Stille, aber de- 
sto sicherer systematisch durch die Unterstütung derer, die der 
Staat noch obendrein selbst bezahlt, geordnet worden ist; 
finden dagegen Confiscationen Statt, so beweisen selbst diese, 
daß der Schleichhandel mit Vortheil fortgesetzt wird, denn 
die Schleichhändler rechnen zu gut, um ein Geschäft fortzu-
	        
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