Full text: Staatsbürgerliches Magazin mit besonderer Rücksicht auf die Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg (Dritter Band)

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sowohl von dem denkenden Staatsphilosoph als auch von dem 
practischhn Staatsmanne, der da weiß, wie viel jede Theorie 
von der Wirklichkeit Abbruch leidet , tunit Interesse gelesen 
werden. Je mehr die öffentliche Vorsorge für Alle und über 
Alles wacht, desto mehr Neigung verräth ein größer Theil 
der Bewachten unbesorgt zu schluinmern, ünd ein anderer 
Theil, diesen Schlummer zu mißbrauchen ; je entschiedener 
der Bürger ati das Léitseil der Geseze geknüpft und ‘einer 
vormundschaftlichen Aufsicht unterworfen ist, destö fichtbarer 
ringt er gemeiniglich darnach; sich freh zu bewegen und nicht 
Mündel zu seyn. Eben so gewögnlich ist der Fall, daß gerade 
bei Bemühungen der Obrigkeit dié Staatsgeriosfen auf alls 
erdenkliche Art in die Schranken gemeinnütziger Wirksainkeit 
einzuengen, aller Gemeingeist mehr und mehr erlischt. Hin- 
gegen zeigen dié Menfchen auch wieder desto niehr Geneigts 
heit, einander aus freiem Triebe hülfreiche Hand zu leisten, 
je sparsamer und loser das Getvebe der Geselzgebung sie um- 
spinnt, ja weniger sie durch das Rudérwerk des Staats zum 
Wollen und Thüri fortgerissen sind. Hieraus folgt aber 
nicht, daß auf solche Art an der Güté oder Mangelhaftigkeit 
staatswirthschzftlicher Einrichtutigen gar nichts gelegen ssej: 
Denn es. kann wénigsténs nie etwieseti werben, daß Vörtheil 
und Nächthéil,, Gewini und Verlust in den Folgen dieser 
Einrichtungen sich dié Wage halten. Dié Staatswirthschaft 
spielt fast überall eins untergeordnete Rollé; denn gewöhnlich 
behalten Leidenschaften die Oberhand, wo nichts als Ver- 
nunft uind dié Stimme üer Pflicht herrschen sollte. Allein 
es gebührt sich hiebei des imildernden Umistandes zu gedenken- 
daß die Stäätswirthschaft, selbst wenn sie aufs vernünftigste 
gehandhabt wird, doch nicht allen Mißverhältnissen vorbeugen 
kann, die dem Gesellschäftswohlée, in Rücksicht des Erwerbs
	        

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