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und ste gaben ihm die traurige Ueberzeugung , wie mit dem
Sinne für das Sittliche auch selbst der für das Heilige und
Erhabene erstickt wird.
Wollte man hier vielleicht einwenden, daß die Mädchen
keinesweges gezwungen werden, sich auf die gedachte Weise den
Moorarbeiten zu unterziehen, sondern vermöge eines ausdrück-
lichen Mietheontracts sich hierzu anheischig machen, so würde
das doch in der Sache selbst weiter nichts ändern. Freilich
ist es eine ersreuliche Erscheinung, Eltern zu finden, die selbst
so viel Gefühl für das Schickliche und Anständige haben, und
für den ehr; und tugendsamen Wandel ihrer Töchter so be-
sorgt sind, daß sie bei zu schließenden Dienstcontracten die
Moorarbeiten eximiren. Aber dafür trifft auch die Aerme-
ren und Elternlosen das unverdiente Schicksal, wie sehr sich
auch ihr Gefüyl dagegen sträubt, unbedingt in Dienstverhält-
nisse zu treten, weil augenblickliche Noth es ihnen auferlegt,
jene ehrenvolle Bedingung nicht machen zu dürfen. Wohl
müßte hier eine neue Sorgfalt geweckt werden für die Armen
und Unmäündigen, die zunächst an den Staat und dessen vär-
terliche Fürsorge verwiesen sind!
Es wird so oft und laut Klage geführt über den Verfall
der Sitten, aber man sucht seinen Ursprung immer nur da,
wo er nicht zu finden ist. So auch hier. Nur zu oft wird
hier die verführerische Nähe der großen Städte in Anspruch
genommen, doch auf dem einsamen Moor ist er zu finden,
dieser schreckliche Urheber des hiesigen Sittenverfalls. Dort
füllen sich die Brüchregister für uneheliche Schwängerungen,
dort wird der unheilbringende Knoten geschlungen für lästige,
unglückselige Ehen, dort empfangen die armen Opfer die schreck-
liche Weihe für den Ammendienst in den benachbarten Städ-
ten, nnd reifen nebenher für den Dienst in Bordellen. So
traurig endet für die dienende weibliche Klasse die hiesige
Moorarbeit. Mögte sie gauz und gar an das männliche Ger-
schlecht verwiesen, und ferner nicht zur Schändung weiblicher
Ehre und Unschuld gemißbraucht werden. ]
13) Auszüge aus einer süderdithmarsischen Landesrechnung nebst
einigen Bemerkungen.
Es ist die Landesrechnung für Süderdithmarschen vot
Anvo 1814 zufällig uns vor Augen gekommen. Da solchk
Rechnungen in öffentliche Häuser der Landschaft ausgelegt wet
den sollen, so wird auch nichts dawider seyn, einige Auszug

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