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zogen werden darf. Der Referent glaubt dafür in dem Staatss
bürgerlichen Magazin die rechte Stelle gefunden zu haben.
Er weiß nicht, ob auch in andern Distrikten durch das Ge-
schäft des Torfgrabens eben so traurige Resultate für den
Stand der Sittlichkeit, wie in der Herrschaft Pinneberg, ge-
liefert werden, hossft aber, wenn auch nur ausschließlich für
diesen Distrikt, nicht ohne Nutzen die Aufmerksamkeit auf
diesen Gegenstand gelenkt zu haben.
Wegen der Nähe der großen Städte Hamburg und Al-
tona ist für den hiesigen Landmann der Torf ein sehr wäüchti-
ger Handelsartikel. ~ Ob zum Vorcheil oder Nachtheil für
seine ökonomischen Verhälcnisse, sey dahin gestellt. - Mit der
zur Gewinnung eines reichlichen Torfvorraths bestimmten Zeit,
tritt zugleich ein ganz verändertes, getrenntes häusliches Ver-
häitniß ein. Knechte und Mädchen wandern, auf 8 Tage
mit Speise und Trank ausgerüstet, aufs Moor, bauen sich
dort Erdhütten und leben ununterbrochen eine Woche hindurch
in der engsten Geweinschaft mit einander. Jeden Sonnabend
kehren sie zur Erneuerung ihrer Wäsche, ihres Mundvorraths
u. s. w. wieder ins Haus zurück. Mit dem Montage aber
kritt das ungezwungerie Moorleben wieder ein, und so wiederholt
sich dies 5 his 6 Wochen hindurch.
Kann für das sittliche Gefühl etwas empörender seyn,
wie diese Lebens- und Beschäftigungsweisse ? und kann sür ein
Junges, unerfahrenes Mädchen irgend eine Lage gefährlicher
Werden, wie dieses einsame Hüttenleben? Wir ehrenwerth er-
scheint dagegen die wirklich ehrbare Sitte des Fenstern’s, uud
ist doch diese durch's Gesetz verpönt !
Verweilen wir nicht blos bei dem Leben auf dem Moor,
fassen wir auch die Vorbereitungen dazu und besonders die
Folgen desselben ins Auge. ]
So wie die sogenannte Moorzeit naht, sieht man die
dienende Klasse in Schaaren zur Beichte und zum heiligen
Abendmahle ziehen, Allgemein hört man dann sagen: es wird
pränumerirt auf die Vergebung der nächsten Moorsüudenz
und in eben so gemeinem Sinne äußert man sich rücksichclich
der etwa bereits begangenen Moorsünden, beim Anblick der
nach beendigter Moor- und Erndtezeit wieder auftretenden
Züge von beichtenden Dienstknechten und Mädchen. Wie un-
würdig mögen in beiden Fällen die Ansichten und Gefühle
seyn, die selbige zum heiligen Abendmahle begleiten?! Diese
Züge geben leider! so oft Veranlassung zu lauten , spöttischen
und lächerlichen Bemerkungen, daß sie selbst der Iugend kund
Werden! Referent hatte. wiederholt Gelegenheit, se zu hören,
Staatsb. Magazin Vd. 3. Heft 3.

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