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noch einzelne Ueberbleibsel dieser schlechten Gefängnisse; so
lange diese noch existiren, können sie gebraucht werden, und
werden es auch im Nothfalle. So sind z. B. im Rath-
hause zu Kiöge ganz unterirdische Gefängnisse, bloß mit
einem kleinen vergitterten Loche versehen, dunkel und mit
verdorbener Luft , für Diebe bestimmt, und ein anderes
ohne alles Licht hat bloß ein Luftloch. Von diesem Ge-
fängnisse sprach selbst der Gefangenwärter mit Grauen, und
doch hatten hier noch vor kurzem einige aus der Coyenhage-
ner Sklaverei entläaufene Sklaven 3 Wochen lang gesessen.
: Ganz verschieden von der Einrichtung der Gefängnisse
im Königreich ist die in den Herzogthümern. Die vielen
Güter haben, in Folge ihrer Privilegien, Criminaljurisdiction,
und also auch die Sorge für die Gefängnisse; die Regierung
theilt mit den Unterthanen die Sorge für die Gerechtigkeits-
pflege. Freilich stehen die Güter in Rücksicht auf ihre Ju-
risdiction unter der Schlesw. Holst. Lauenb. Canzley, aber
entweder hat sie auf den Gütern nicht den Einfluß, wie in
den nicht adelichen Districten, oder sie übt selbigen nicht im
Mindesten aus. So wie die Mängel dieser gemischten
Justizverfassung in mehr als einer Rücksicht in die Augen
fallen, so auch besonders in Ansehung der Gefängnisse.*) Jm
‘" Unkenntniß der Verfassung uuserer Herzogthürer, hat den Ver-
fasser offenbar dazu verleitet, die Unrichtigkeit zubehaupten, daß die
Regierung mit den Unterthanen die Sorge für die Gerechtigkeits-
pflege theile, und die Schlesw. Holst. Lauenb. Canzley zu beschuldi-
gen, daß sie die ihr obliegende Sorge für die Gefängnisse auf den
Gütern nicht im Mindesten ausübe. Von einer Theilung der
Justizpflege, die niemals unabhängig von der Regierung war,
kann um so weniger jetzt die Rede seyn, nachdem durch die Ge-
richtsordnung für die adlichen Güter vom 19. Juli 1805 die
dabei concurrirenden Rechte der Gutsbesißer fast lediglich auf

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