Full text: (Dritter Band)

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gesetze der Gilde, kam hierzu nun noch die Verpflichtung 
der Brüder zur gegenseitigen Unterstütßung im Fall, daß ein 
Bruder verarmte, und sogar dann, wenn er sich diese Vers 
armung selbst zugezogen und seine Güter confiscirt wurden, 
ferner zum Beitrag für d1e Auslösung des gefangenen Bru- 
ders u. dergl. m.. 68) so erklärt es sich von selbst, warum 
der größte Theil der Bürger sich der Gilde anschloß, und 
man darf sich darüber so wenig wundern, als wenn z. B. 
bei uns während ansteckender Krankheiten die sogenannten 
Todtengilden wachsen. Was auf der einen Seite der Gilde 
an Ansehn und Umfang zuwuchs, das verlor auf der an- 
dern Seite das Gericht, weil sich, wie oben bemerkt, die 
Gilde diesem fast ganz entzogen; wurde auch ein oder an- 
drer Gildebruder vor Gericht geladen, so hörte die Sache 
dadurch. gewisserniaaßen auf seine Privatsache zu seyn, und 
wurde eine Angelegenheit der ganzen Gilde, und daher war 
es auf jeden Fall vortheilhafter für denjenigen, welcher nicht 
Gildebruder war, den Gildebruder nicht beim ordentlichen 
Gericht, sondern bei der Gilde selbst zu verklagen. Daß 
solche Sachen im Anfang vor der ganzen Gilde an den Gildes 
tagen verhandelt und entschieden wurden, ist wohl außer 
Zweifel, wie indessen die Gilde sich vergrößerte und eben- 
dadurch die Streitigkeiten sich mehrten, überließ man dies, 
wie es scheint, den Gildevorstehern oder Aeltermännern, die 
nun das eigentliche Gericht bildeten. Die Execution ihrer 
Urtheile lag, wie dies auch beim ordentlichen Gerichte der 
Fall war, der gewinnenden Parthei ob, und nur, went die- 
se nicht vermochte das Urtheil zu vollführen, trat die ganze 
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«s) Man sehe die citirten Gildestatute, die dergleichen Bestimmun- 
gen fast auf jeder Seite enthalten.
	        
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