Full text: Staatsbürgerliches Magazin mit besonderer Rücksicht auf die Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg (Dritter Band)

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sreilich schmählig genannter, Friede, wo die Länder, das ist, 
der Lohn getheilt, der Bestegte zu Dienstleistungen für die 
übrigen Eroberungspläne verbunden, durch Besetzung der Festun- 
gen seine Treue dem Sieger gesichert wird. Die Eigenthüù- 
mer haben Nichts verloren, wenn ste dem neuen Herrn zah- 
len, was dem alten, und nun fürs übrige sicher sind ; darauf 
allein kommt es ja an. Selbst der besiegte Herrscher hat 
Nichts verloren: zu leben wird er ja noch immer behalten; 
was hat er denn in diesem Zusammenhange der Ansicht mehr 
zu begehren? So , — wenn der Sieger das Eigenthum der 
Unbewaffneten wirklich sichert, nicht seinen Söldnern Raub 
und Gewaltthätigkeit erlaubt; wenn er das Gewerbe wirklich 
frei läßt, und nicht etwa eine Handelssperre einführt; wenn 
er den Unterschied zwischen Kantonfreiheit und Kantonpflichti- 
gen, die Grundfeste der Verfassung in diesen Begriffen, stehen 
läßt, und nicht etwa die Konscription einführt; wenn er für 
ein Billiges regiert, und nicht etwa unmäßige Forderungen 
macht. In der Regel wird dies Alles vorausgesetzt nach der 
bisherigen Analogie, und beim Beginn und während der Füh- 
rung des Krieges nicht bezweifel. Es wird ja doch auszu- 
halten seyn, der Feind wird schon Mannszucht halten, es ist 
dies sein eigner Vortheil, und dergleichen: mit solchen Worten 
trösten sich die Feigen untereinander. Findet sich hinterher, 
daß er das Zweite, nicht das Erste thut, nur dann ziehet er 
sich freilich allgemeinen Haß zu: er hat das, warum es allein 
der Mühe werch ist zu leben, das Eigenthum und das Leben 
selbst angegrisfen. 
So oft man aus den Grundsätzen, welche die Mehrzahl 
der Menschen in der That hat, folgerecht fortschließt, und ih- 
nen darlegt, wie demnach ihr Leben nothwendig seyn müsse; 
so erregt man allemal Haß, Widerspruch, und die allerdings 
durch Thatsachen zu belegende Behauptung : So schlimm sind 
wir nicht, wie du uns machst, wenigstens nicht alle und nicht 
immer. Sie haben, wie gesagt, Recht, und dies geht so zu: 
Ihr Leben ist bei weitem nicht durchgängig durch Grundsäte 
und klares Bewußtseyn bestimmt, sondern durch dunkle An- 
triebe aus der instinktartig wirkenden und in sonderbare Hül- 
len gekleideten Vernunft, dergleichen sie, wenn sie es an sich 
bemerken, Vorurtheile einer finstern Vorwelt nennen , -– und 
Recht- hätten, falls sie nur die Vernunft in einer andern Ge- 
stalt an sich bringen könnten. Die Theile ihres Lebens, durch 
die leztere bestimmt, fallen anders aus, als sie ihren Grund- 
sätzen zufolge ausfallen würden : darin sind sie unserer Schil-
	        

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