Full text: Staatsbürgerliches Magazin mit besonderer Rücksicht auf die Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg (Dritter Band)

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Mittel zur Umgehung) ungemein schmerzhaft seyn, dehn jes 
des Familiengeheimniß, jede vertrauliche Mittheilung unter 
Freunden, jede Nachricht über den Gang aller, ihrer Natur 
nach durchaus nicht zur Bekanntwerdung geeigneten Geschäfs 
te, nach den benannten Gegenden, war den Blicken eines 
Dritten Preis gegeben. Im Lande waren zur Durchsicht der 
Briefe obrigkeitliche Personen bestimmt, auf den dänischen 
Postämtern im Hamburg und Lübeck aber waren fogar die 
Postcomtoire zur Eröfnung und Lesung der Briefe er- 
mächtigt. Sehr befremdend war es, daß in der Verordnung 
burchaus nichts zur Verhütung des Mißbrauches verfügt 
war, der daraus entstehen konnte, wenn die zur Durchsicht 
der Briefe ermächtigten Personen, die ihnen auf viese Weise 
bekannt gewordenen Geheimniße nicht heilig hielten; Ver- 
schwiegenheit war keinen Beamten über das Postgeheimniß 
anbefohlen, noch weniger wurden sie besonders darauf verei- 
det, was das Publikum in einer so hochwichtigen Angelegen- 
heit zu erwarten, sich berechtigt glaubte; auch wollte damals 
hin und wieder verlauten, daß mitunter der befürchtete Miß- 
brauch nicht ausgeblieben, sondern manches Briefgeheimniß 
mit schwatzhafter Zunge ausgeplaudert sey. Daß durch diese 
so schmerzlich beschränkende Verordnung der beabsichtigte Zweck 
dennoch, wenigstens in den Herzogthimern, unmöglich er- 
reicht werden könne, indem es unzählige Mittel gab, solche 
Briefe, welche das Durchsehen nicht vertrugen, ins Ausland 
zu befördern, und daß solche Mittel nothgedrungen auch von 
vielen, sonst vollkommen redlichen Leuten benutzt wurden, 
welche ihre Privatangelegenheiten niemanden Preis geben 
mogten, das war damals der allgemeine Glaube, so wie, daß 
das Postwesen durch die häufigen Umgehungen, einen. be- 
deutenden Ausfall an seiner Einnahme erleide.
	        

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