Full text: Staatsbürgerliches Magazin mit besonderer Rücksicht auf die Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg (Dritter Band)

Ö dug 
Zur würdigen Gedächtnißfeier der lutherischen Reforma- 
tion war beschlossen, in diesem Jahre Luther und Tegtzel durch 
zwey Studixende vorzustellen, und eine gelehrte Disputation 
über den Ablaß halten zu lassen. Um des Sieges der evan- 
gelischen Wahrheit in diesem Kampfe desto gewisser zu seyn.. 
hatte man den jungen Mann, der Luthers Rolle dabei spie- 
len sollte, besonders vorbereitet und ihn mit allen dienlich er- 
achteten gelehrten Waffen ausgerüste. Den jungen Liscow 
hingegen, dem die Rolle Tetzels zugetheilt war, hatte man 
ganz sich selbst überlassen. Dessssen ungeachtet gelang es Li- 
scow , der jede Blöße seines Gegners zu benutzen wußte, den 
Sieg bald davon zu tragen. Denn kaum war die Disputation 
recht in Gang, als Liscow den Ablaß mit so scheinbaren 
Gründen vertheidigte, daß er seinen Gegner in die Enge trieb 
und ihn bald gänzlich zum Schweigen brachte. Nun trat der 
Präses hervor, um sich des verstummten Luchers anzunehmen, 
aber mit eben so geringem Erfolge, daß er bald, selbst an 
dem endlichen Siege verzweifelnd, unwillig und scheltend 
die Disputation beendigte. Dieser für Liscow ehrenvolle 
Ausgang der Disputation kam ihm indeß theuer zu stehen. 
Denn zur Strafe füyx seinen Sieg, welcher die ganze evan- 
gelische Kirche zu beschimpfen schien, und des gegebenen Aer- 
gernisses wegen, ward ihm quf der Universität das consilium 
abeundi ertheilt, Zu Hause wartete seiner ein nicht weniger 
unfreundlicher Empfang vom Vater, der ihn gleich mit einer 
derben Ohrfeige bewillkommte, und aller Gegenvorstellungen 
des Sohnes ungeachtet, ihm den angerichteten Skandal lange 
nicht vergeben konnte, Zu der Schwester sagte Liscow : 
„„Papa ist wohl ein ganz guter Mann, aber etwas einfältig 
ist er doch und versiehr eigentlich nicht viel. Man muß ihm 
etwas zu Gute halten !-(f 
Soweit diese Geschichte, Sonst sind in dem erwähnten 
Briefe einige Kleinigkeiten aus dem Leben Liscows ange- 
führt, die wir hier noch hinzufügen. Liscow hatte, wenig- 
stens zuerst, Theologie studirt, verließ aber das Studium, weil 
ihm seine erste Predigt mißlang, – Vom Tabackrguchen war 
ex ein großer Liebhaber, Ueber seine Gestalt sagte er oft zu 
seiner Schwester; „„Sonst ging es noch mit meiner Gestalt, 
wenn nux meine Nase nicht so verzweifelt klein wäre‘, oder 
auch; „wenn ich nur nicht die Sch q. .. Nase hätte.
	        

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