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schätzen vermöge, um mit einiger Zuverlässigkeit im Voraus
zu versichern, ob der zweite oder ob der dritte Charakter zu
erwarten sey, das, dünkt mich, dürfte nicht in Zweifel gezo-
gen werden. Und sollte der Lehrer selber dem Ausfalle mit
Bedenklichkeit entgegen sehen: wäre es dann nicht des Lehrers
heiligste Pflicht, abzurathen, und für die Eltern und Vormün-
der gleiche Schuldigkeit, dem Rathe zu folgen, statt auf einen
glücklichen Zufall zu bauen, der, wenn er auch eintritt, doch
immer Zufall bleibt und eben darum die Tüchtigkeit des Kan-
didaten zwar vor der Welt, aber nicht in Wahrheit bewährt
und rechtfertigt ?
Endlich ist die Aufmerksamkeit darauf zu leiten, gleich bei
dem Beginnen der akademischen Laufbahn die Dauer derselben
zu bestimmen und den unverbrüchlichen Vorsatz zu nehmen, in
Ansehung der bestimmten Zeit nicht ohne Noth eine Aenderung
eintreten zu lassen. Wer einen lebhaften Sinn für die Wis-
senschaft mitbringt, wer damit einen thätigen Eifer verbindet,
wer eine wünschenswerthe Ordnung und. Planmäßigkeit nicht
aus den Augen setzt, wer endlich in sich selbst Stärke genug
fühlt, den vielfachen Störungen, die sich im akademischen Le-
ben darbieten, unerschütterlich zu widerstehen: für den mag
zwar eine bestimmte Vorschrift über die Dauer der akademi-
schen Studien von keiner Nothwendigkeit seyn. Jeden andern
wird die Unbestimmtheit dieser Dauer leicht verleiten, anfangs
Eifer und Fleiß als unnothwendig zu betrachten und mit guten
Vorsätzen sich bis in die Zeit des Examens zu schleppen, da
doch die wahre Tüchtigkeit, das einzige Ziel, welches jeder sich
vorssetzen soll, eine gleich von Anfang an in das Studium ge-
brachte Lebendigkeit erfordert. Auf wie viele Jahre der Zu-
schnitt zu machen sey, hängt zwar von eines jeden natürlichen
Anlagen und mitgebrachten Kenntnissen ab; doch darf als
Regel ein dreijähriger Zeitraum angenommen werden , höch-
stens ein vierjähriger, In einem solchen Zeitraum wird es
möglich, bei beobachteter Planmäßigkeit und Beharrlichkeit im
Fleiße alles dasjenige zu erlernen, was der Staat von einem
Kandidaten unseres Faches billiger Weise fordern darf. Daß
die Länge der Zeit in dieser Beziehung gewöhnlich nichts Gün-
stiges mit sich führe, legt der Ausgang der disjährigen Examina
klar zu Tage. Erlauben es übrigens dem Kandidaten seine
Verhältnisse, vor dem Eintritt in das Geschäftsleben seiner
Liebe zur Wissenschaft noch einige Zeit ausschließlich zu wid-
men: so wäre der Rath zu beachten, nach bestandenem Exa-
men noch ein Jahr hindurch Akademien zu besuchen. Befreit
von der Furcht, die sich zumal der Einsichtsvolleren zu be:

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