Full text: Staatsbürgerliches Magazin mit besonderer Rücksicht auf die Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg (Zweiter Band)

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lich sehr betrübende Erscheinung! Denn wohin soll es führen, 
wenn junge Männer, welche zur Erleichterunz ihrer Studien 
“er unterstütung bedürfen, ohne hinlängliche Vorkenntnisse die 
.kademie besuchen? Sdollten nicht diejenigen, denen es am 
Vermögen mangelt, sich durch ganz vorzügliche Kenntnisse aus- 
zeichnen, um an diesen eine feste Stütze zu haben, da sie jenes 
entbehren? Wie muß selbst ein geistreicher junger ¿Nann alle 
seine Kräste anstrengen, um die Hindernisse zu überwinden, 
welche die Armuth dem Studium vielfältig entgegenstellt! 
Eine andere Rücksicht, welche man bei dem Beginnen 
des akademischen Lebens zu nehmen hat, ist die Wahl der 
Unidersität. Da Kiel als Landesuniversität zwei Jahre hin- 
durch soll besucht werden: ' so ist freilich die Wahl hier im 
Lande nur darauf beschränkt, ob der Studirende Kiel gleich 
änfangs, oder erst späterhin besuchen soll. Gewöhnlich wird 
unsere Akademie im Anfange und zum Beschluß, eine aus- 
wärtige in der Zwischenzeit besucht. Im Allgemeinen ist die 
ser Gang zu empfehlen, so oft es die Absicht ist, die Studien- 
zeit zwischen Kiel und einer fremden Universität zu theilenz 
denn je näher die Verwandten dem jungen Studirenden sind, 
desto bessere Gelegenheit werden sie haben, sein ganzes Beneh- 
men auf der neuen Laufbahn zu beobachten oder beobachten zu 
lassen, und schnell einzuschreiten, wo es, zumal im Anfange, 
eines schnellen und nachdrücklichen Einschreitens. bedarf, um 
weitere Verirrungen zu verhüten. Daß aber auch gegen das 
Ende der Studienzeit gerade hier der Aufenthalt genommen 
werde, das wird dem Rechtsbeflissenen schon um deswillen 
nothwendig, weil erst dann das vaterländische Recht, welches 
nur hier vorgetragen wird, mit Nutzen zu studiren ist, Bis- 
weilen hört man die Klage, wegen beschränkter Vermögens- 
umstände keine ausländische Universität besuchen zu können; 
eine Klage, die freilich meistens nur durch die Sehnsucht, 
Teutschland kennen zu lernen, laut wird, weniger wohl durch 
den Wunsch, gerade des Studiums halber eine fremde Aka- 
demie zu besuchen. Aber eben dieser Wunsch wird von Vielen 
vorgespiegelt, von Eltern und Vormündern vielleicht in Wahr- 
heit gehe. t, und so geschieht es, daß die meisten Landeskinder 
auch ausländische Universitäten besuchen und einen Neid, eine 
Sehnsucht bei denen erwecken, welche sich nicht in der Lage 
befinden, Begleiter zu seyn. Darüber mag ic) mir kein ent- 
scheidendes Urtheil anmaaßenz; wohl meine ic) aber so viel 
versichern zu dürfen, daß die juristische Fakultät unserer Aka- 
demie Gelegenheit zu allen Vorlesungen darbietet, welche für 
die wissenschaftliche und praktische Bildung, so weit ste auf
	        

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