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dischen Universität mit empfinde, gegenwärtig die Feder er-:
greife, um öffentlich einige Worte zu sprechen: so kann es
nicht meine Absicht seyn, hier, in einem, den Gebildeten aller
Stände gewidmeten Blatte, die Frage wegen des Studiums
der Rechtswissenschaft nach wissenschaftlichen Gründen umständ-
lich zu erörtern; mein Zweck beschränkt sich darauf, Eltern
und Vormündern Einiges ans Herz zu legen, was mir ihrer
genauen Aufmerksamkeit in Hinsicht auf ihre studirenden
Söhne und Pflegbefohlnen werth zu seyn scheint und wofür
wenigstens die in meinem Kreise gemachte Erfahrung spricht.
Viele junge Männer werden der Universität übergeben,
ohne daß eine sorgfältige Prüfung ihrer Anlagen und Kannt-
nisse vorangegangen ist. Da auf unserer Universität eine Prü-
fung der Ankömmlinge nur in dem einzigen Falle eintritt,
wenn sie wegen ihres Unvermögens um den Genuß des Frei-
tisches anhalten: so bleibt es freilich jedem anheim gestellt, ob
er vorher sich die nothwendigen Schulkenntnisse verschaffen,
oder ob er, was ihm in dieser Beziehung abgeht, hinterher
durch den Besuch akademischer Vorträge nachholen will, und
bei Manchem mag wohl der letztere Weg nicht ohne Nutzen
eingeschlagen werden, Gemeinhin ist es jedoch, bei dem Vere
hältniß, in welchem die Schüler zu den Universitäten sich be-
finden, und bei der Richtung, die den akademischen Vorträgen
gegeben wird, gar sehr zu mißbilligen, erst auf der Akademie
die fehlenden Schulkenntnisse ergänzen zu wollen. Daher
bleibt es eine heilige Pflicht der Eltern und Vormünder, sich
zuvörderst wie von den natürlichen Anlagen, so auch von den
unumgänglichen Vorkenntnissen ihrer Söhne und Pfleglinge
in überzeugende Gewißheit zu setzen, bevor sie selbige der aka-
demischen Laufbahn übergeben. Die Lehrer in den Schulen
haben darüber ein Urtheil, auch wenn die Vorliebe, welcher
wir uns gegen unsere Kinder hinzugeben pflegen, und die gute
Meinung, die wir von ihren Fähigkeiten oft blindlings zu he-
gen gewohnt sind, auf eine empfindliche Art gekränkt würde.
Daß aber Viele die Fortschritte ihrer Angehörigeu bloß nach
der Klasse, in welche sie allmälig fortgerückt sind, beurtheilen,
daß Andere sogar die Abmahnung der Lehrer, wenn von dem
Abgange von der Schule die Rede ist, ohne Grund verachten,
wird durch die Erfahrung leider bestätigt. HDBerufen darf ich
mich auf den Ausgang der hiesigen Prüfungen, welchen die
Theilnehmer an dem Freitische sich unterziehen müssen, In den
verflossenen drei Jahren wurde im Ganzen nur: wenigen Be-
neficiaten der zweite Charakter zugetheilt; die meisten erhielten
den dritten; mehrere wurden unwürdig befunden. Eine wahre

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