Full text: (Zweiter Band)

Ö "T99 
f 
„eigenen Werthes verleitete, und die erstere ihm alle freieren 
„„Ansichten denkender Gottesgelehrten verdächtig machte,. so 
„„begnügte er sich mit den dürftigen Kenntnissen, die er in 
„„der Jugend erlangt hatte, und wies jede bessere Vorstellung 
„zurück. Sprachen und wirkliche Gelehrsamkeit galten ihm, 
„„außer ihrer Beziehung auf die Bibel, wenig, und die Ver- 
„munft, die sich herausnahm, der letzteren Aussprüche zu be- 
„„euchten, war ihm Thorheit und Aergerniß. Wie die mei- 
„ien Schwärmer, versenkte er sich gerne in die Betrachtung 
„„des Nebersinnlichen, deutete in die Schrift verborgene Weis- 
„heit hinein, verketzerte, selbst über Verfolgung schreiend, die 
„sogenannten Aufklärer, und hing an geheimen Gesellschaf- 
„„en. Eine Weissagung, das Reich Gottes werde nächstens 
s¿„wiederkehren und die Neuerer verstummen, hatte er in dem 
„„lelzten Lebensjahre des großen Königs ausgehen lassen.[- 
Was den Curator der Universität, der zugleich Ober- 
aufseher des Seminars war, und den man als die Veran- 
lassung dieser so vielfältig und bitter getadelten Anstellung 
eines abgelebten, frömmelnden, der Geisterseherei verdächtigen 
Geistlichen, ansah, zu diesem Schritte bewogen hatte, dar- 
über sprach sich in jener Zeit die öffentliche Meinung folgen- 
dermaßen aus ; 
Früher schon war über mehrere vom Kieler Seminario 
ausgegangenen Schullehrer die Besorgniß geäußert, daß sie, 
ob sie gleich viel und mancherlei gelernt hätten, dennoch keine 
tüchtige Volkslehrer wären, weil ihnen die ächte Gottesfurcht 
und Menschenliebe, die den innern Menschen stärke und wo- 
durch jeder Unterricht erst feste Stätte gewinne, ermangele; 
auch war nicht zu verkennen, daß einige von ihnen sich durch 
Eigendünkel und Neuerungssucht in ihren Districten weder 
Liebe noch Zutrauen erworben hatten.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.