TR98
Em
Professor J. H. Müller, seit zwei und zwanzig Jah-
ren Vorsteher und rastlos thätiger Lehrer beim Schullehrer-
seminario in Kiel, ward im Anfange des Jahres von diesem
Amte abberufen und als ordentlicher Professor der Philosophie
bei der Universität angestellt. Das Erstaunen, welches diese
Entfernung eines solchen Mannes von einer Stelle, welche
er so lange ruhmwürdig und mit segensreichem Erfolge be-
kleidet hatte, im. In- und Auslande erregte, ward noch von
der Verwunderung und dem fast allgemeinen Unwillen über-
troffen, womit man erfuhr, wer zu seinem Nachfolger be-
stimmt war. Der in Berlin durch das bekannte Königlich
preußische Rescript an das Berliner Oberconsistorium und
Obersschulcollegium vom 5. März 1798*) auf eine nichts we-
niger als ehrenvolle Art seines Amtes als Mitglied der Er-
aminationscommission entlassene Oberconsistorialrath Herr-
mann Daniel Hermes war, mit dem Titel als Kirchen-
rath, zum Mitdirector des Seminars und Aufseher des Un-
terrichts in demselben, nach Kiel berufen. Eine Charakteristik
dieses Mannes, wie sie sich in einem neuern geschichtlichen
Werke #) findet, möge hier zuerst angeführt werden, ehe
wir von dieser merkwürdigen Angelegenheit weiter reden.
„„An der zweiten Hauptkirche zu Breslau stand damals
„(4791) als erster Prediger Herrmann Daniel Hermes. In
„dem Gemüth dieses Mannes paarten sich frömmelnde
„Schwärmerei und geistlicher Hochmuth. Da ihn der letz-
„tere, wie oft geschieht, zugleich zur Ueberschätzung seines
*) Diese Cabinetsordre vollständig in . den Rintelschen Annalen
1798 p. 332-335.
Geschichte des preußischen Staates vom Frieden zu Huberts-
burg bis zur zweiten Pariser Abkunft. 1. Theil p. 202. Vergl.
ebendas. p. 20 f.
|J

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.