Full text: (Zweiter Band)

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Regeln beurtheilt zu werden.. Immer kommik es vor allen 
Dingen darauf an, ob die Entscheidungsnormen in gehöriger: 
Weise dem Volke bekannt geworden sind , und als bekannt, 
vorausgesetßt werden können. Mit den Grundsätzen des 
Rechts verhält es sich nicht auf gleiche Weise, als mit den: 
Grundsäßen der Medizin und Chirurgie. "Daß der Arzt die 
Regeln seines Verfahrens- kenne, ist hinreichend, und es muß 
gleichgültig seyn, ob sie dem Kranken bekannt sind oder nicht. 
Wer aber würde den Gedanken erträglich finden, daß - die. 
Gesetze eigentlich nur für Richter, Beamte und Rechtsge-: 
lehrte gegeben werden, und daß alle Uebrigen nichts anders 
zu thun hätten, als sich ruhig nach den von jenen angenom- 
menen Grundsätzen behandeln zu lassen? 
Was nun die Collegialresolutionen betrifft, so muß es 
schon als ein Hinderniß ihrer allgemeinen Anwendung er- 
scheinen, daß sie nicht publizirt, nicht förmlich bekannt ge- 
macht werden, sondern nur gelegentlich ins Publicum kom- 
men, und der Regel nach erst, wenn sie schon ein Alter von 
einigen Jahren erreicht haben. 
. Fände eine Regierung es zweckmäßig, den Grundsatz ana 
LP 
zuerkennen, daß die Entscheidungen der obersten Collegien und 
Gerichthöfe eine den Geseßen gleiche Auctorität haben sollen 
= mir freilich will eine solche Einrichtung höchst unzweck- 
mäßig und unnatürlich erscheinen, selbst unverträglich mit den 
Rechten der höchsten Gewalt und mit guter Staatsordnung 
so müßte sie eigentlich einen Schritt weiter gehen, und den 
Collegien und Gerichtshöfen die Macht ertheilen, durch In- 
structionen , Bekanntmachungen und öffentliche Ausschreiben 
im Voraus zu bestimmen; nach welchen Regeln bie Beamten 
sich zu richten, welche Grundsätze sie zur Anwendung zu 
bringen haben. Dann wüßte Jeder und könnte:wissen; woran
	        
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