Full text: Staatsbürgerliches Magazin mit besonderer Rücksicht auf die Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg (Zweiter Band)

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leute auf dem Lande aufmerksam darauf, daß doch wohl der 
größte ?heil derselben in dem Distrikte, wo ste sich aufhalten, 
schon Heimathsrechte erworben haben, und also nicht vertrie- 
ben werden könne, wodurch das ganze Maaß der Noth doch 
wenigstens um vieles kleiner erscheine. Nach meiner Erfah- 
rung hat aber keinesweges der größte Theil der Häuersleute 
schon Heimathsrechte erworben. In zwei königlichen Amts- 
dörfern, wovon ich nur genaue Nachricht geben kann, sind, 
so viel ich erfahren konnte, in dem einen größeren 12 Fremde 
und 9 solche, welche bereits im vorkommenden Falle von der 
Kommüne unterhalten werden müssen; in dem andern kleinern 
sind der ersteren 6 und der leßteren 5. Von andern Gegen- 
den kann ich freilich nichts Bestimmtes angeben, vermuthe 
aber, daß man sich nicht irre, wenn man die Anzahl der in 
dem Distrikte, wo sie wohnen, noch nicht einheimisch Gewor? 
denen wenigstens auf die Hälfte anschlägt. Dann aber schüßzt 
das bereits erworbene Heimathsrecht auch nicht einmal vor 
der Nothwendigkeit des öfteren Umziehens. Denn es sind 
mir V-ispiele bekannt, daß Arbeitsleute, die sich, wie es ge- 
wöhnlich heißt, vest gewohnt hatten, dennoch zum Umziehen 
gezwungen wurden, ohne daß ein anderer Grund vorhanden 
gewesen wäre, als die Hoffnung, auf diese Weise vielleicht 
noch von der lästigen Verpflichtung ihrer Versorgung im Ver- 
armungsfalle befreit zu werden. Endlich möchte ich die Frage 
aufwerfen; ob nicht, je länger jene unselige Verfügung bestehen 
wird, desto größer das Elend werden wird, weil die Zahl der 
Heimathlosen immer zunehmen muß? Derer, welche vor der 
Erlassung jener Verfügung an etnem Orte einheimisch geworden 
sind, derer werden immer weniger, und die wachsame Vorsicht 
der Kommüne macht, daß nur selten der Fall eintritt, daß 
Jemand drei Jahre ununterbrochen an einem Orte wohnt. 
Auf diese Weise wird es am Ende dahin kommen, daß die- 
senigen, welche jetzt von solchen heimathlosen Eltern geboren 
sind, wenn sie in der Folge verarmen sollten, gar keinen Ort 
finden, der zu ihrer Versorgung verpflichtet wäre. Von frü- 
hester Kindheit an sind sie mit ihren Eltern herumgeflüchtet; 
als sîe in Dienst kamen, behielt keine Herrschaft sie länger als 
zwei Jahre; sie heiratheten und wurden Arbeitsleute, wieder 
konnten sie nirgends drei Jahre nach einander wohnen. Nun 
verarmen sie; welcher Ort ist zu ihrer Versorgung verpflichtet ? 
4) Nachrichten von der Stadt Flensburg. 
Folgende kurze Nachrichten werden an sich schon interessant 
senn, und können zu manchen Betrachtungen Anlaß geben.
	        

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