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tungsfall #). Die auf Leibeigenschaft beruhenden Hofdienste
hören mit Aufhebung derselben auf, jedoch entrichtet’ der bis-
her Verpflichtete dem Gutsbesitzer eine angemessene Vergü-
kung an Gelde oder Leitungen, bis zur Abschließung eines
neuen Contracts; kommt ein solcher bis zum 4sten Mai 1805
nicht zu Stande, so müssen die Untergehörigen gleichwohl die.
unumgänglich nöthigen Dienste leisten bis zur commissarischen:
Entscheidung, welche so bald als möglich erfolgen soll. Strei-.
tigkeiten, welche über die mit Leibeigenen geschlossenen Con-
tracte oder die den Freigelassenen gebührende Abfindung ent-
stehen, sollen in den ersten fünf Jahren ohne förmlichen
Rechtsgang durch Commissarien, welche die Oberdicasterien
ernennen, ohne Gerichtsgebühren abgemacht werden.
Dies ist der Inhalt jener, in unserer Landesgeschichte ewig
denkwürdigen Verordnung, wodurch mehr als 100,000 bis-
her unter dem Drucke der Leibeigenschaft Lebende, sich keines
eigenen Willens, keiner Art von Selbsiständigkeit erfreuende
Menschen, zu freien Staatsbürgern erhoben wurden. Daß
indessen der Geist der so humanen Verordnung nicht allent-
halben richtig aufgefaßt war, daß hin und wieder Mißdeu-
tungen entstanden, die Freigelassenen in ihren Forderungen
oft ungerecht und unbesscheiden waren, manche Gutsbesitzer
auch die Gewährung des Gesetzlichen zu umgehen suchten,
das alles konnte bei einer gänzlichen Uniwandlung aller Ver-
hältnisse zwischen den Gutsherren und ihren bisherigen Leib-
eigenen wohl nicht anders seyn. Wie diese Verhältnisse nach
und nach, mit oder ohne Einwirkung der Regierung geregelt
wurden, das gehört in die Chronik des nächstfolgenden Jahres.
*) Welche Controlle giebt es aber, daß dies wirklich befolgt werde?

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