Full text: Staatsbürgerliches Magazin mit besonderer Rücksicht auf die Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg (Zweiter Band)

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nach Jütschem Lov (h. 8) als Ursache, warum bas Land 
Sondergut blieb, die angegeben, daß das Land als das ans» 
gesehen wurde, worauf die Familienmacht beruhe, und daß 
dies die Ansicht bewirkte, daß es auch nicht durch die Ehe 
theilweise in eine andere Familie übergehen dürfe. In den 
Städten hingegen mußte diefe Ansicht bei Erweiterung des 
Handels sich ändern; der Reichthum an beweglichen Gütern 
mußte nun als das Wichtigste erscheinen, und die Masse 
dieser mußte nach und nach so sehr überwiegend werden, daß 
der Landbesitz dagegen unbedeutend erschien, Daher ist es 
leicht zu begreifen, wie die Grundsätze, die von beweglichen 
Sachen gelten, mit der Zeit auch auf das Land angewandt 
wurden, und so ist die Fiction sehr natürlich, daß dieses als 
Boskab angesehen werde. Die Stadt Schleswig, das alte 
Hethebye, war die älteste, reichste Handelsstadt des Landes, 
daher wir schon im alten Schleswiger Stadtrechte diese all- 
gemeine Gütergemeinschaft (§. 40. 84) zwischen Eheleuten 
finden, und zwar regelmäßiger, als in den übrigen 
Stadtrechten, wie sich unten bei der Darstellung der Thei= 
lung zeigen wird. Gleiche Ursachen brachten auch in andern 
Ländern gleiche Wirkungen hervor. Nach Helsingborgschem 
Stadtrechte (in Anchers Lovhistorie) ist auch allgemeine Güs 
tergemeinschaft, während im Schonischen Landrechte nur theil- 
weise Statt findet. Im Lübschen Rechte ist allgemeine Gü. 
tergemeinschaft (obzwar bedingt), während das Landrecht, der 
Sachsenspiegel, nicht einmal eine theilweise kennt, und eben 
so unterscheiden sich auch die Baierschen Städte dürch allge- 
meine Gütergemeinschast von dem Landrechte 1 ), 
) Vergl. Mittermaier in der Züitschrift für geschichtliche Mechts- 
wissenschaft I. H. 3, S, 318.
	        
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