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Lebensgenusse viel günstiger, als die gegenwärtige. Der sleben
jährige Krieg, verheerend wie er auch für einen großen Theil
von Europa war, war nicht durch religiöse oder politische Ur-
sachen entstanden. Er hatte keine politische Resultate. Der
Friede verselzte die Gemüther, die nur durch zufällige Ereig:
nisse des Krieges in vorübergehende Spannung gebracht wor-
den waren, wieder in jene ruhige Stimmung, ohne welche
kein wahrer Lebensgenuß Statt finden kann. Daher blüheten
Künste und Wissenschaften in dieser Periode. Unter den Kö-
nigen und Fürsten waren Gelehrte, oder wenn sie es nicht
waren, so gehörte es doch zum Ton, sich als Freunde und
Beschülzer derselben zu zeigen. Die Musen fanden eifrige
Beschütßzerinnen an dem schönen Geschlechte, das, im gebilde-
ten Europa, schon lange vorher eine Hauptrolle spielte. Die-
ser Geist war über einem großen Thril von Europa verbreitet.
Die Gelehtten und ihre Gönner bildeten eine gelehrte Repu-
blik. Ein SE ein Rousseau, ein Montesquieu, gehörten
nicht ihrem Vaterlande allein, sie gehörten der ganzen gebil-
deten Welt an. Und daher kam es, daß sich ein Hume in
Paris eben so einheimisch. fühlte, als in London, er an seinen
französischen Freunden mit eben so großer Anhängiühkeit hing,
als an seinen englischen. Verschwunden ist diese Blütenzeic!
Politische Meinungen führten zu den Krixzze.i: gegen die Re-
volution, der Friede hatte die Schwerdter wieder in die Scheide
gebracht, aber der innere Kampf ist nicht beendigt. Der Siun
für die schönen Künste und Wissenschaften ist verschwunden,
und hat abstracten Ideen Plat gemacht. Die Fürsten färch-
ten die Schriftsteller, oder vielmehr die Grundsätze, welche sie
verbreiten. Die gelehrte Repulik hat sich aufgelöset, denn
die Hitze des Meinungenkrieges läßt keinen Verein zu, und
untergräbt die gegenseitige Achtung. Das schöne Geschlecht,
unvermögend dem abstracten Ideengange zu folgen, zieht sich
von der Bühne zurück. Wie arm an Kenntnissen, und ohne
Sinn für schöne Wissenschaften und Künste, erschcinen die
jungen Frauen in deu gebildeten Classen unserer Zeit, gegen
die ihrer Mütter, deren Bildung in den vorhergegangenen
Zeitraum fällt! Mit der Entfernung der Musen ist auch die
Hauptwürze der gessellschaftlichen Unterhaltung verschwunden.
Die Langeweile und Leere hat sich überall in die gesellschaft-
lichen Cirkeln, wo beide Geschlechter sich vereinigen, einge-
schlichen. Die Männer isoliren sich immer mehr von dem
schönen Geschlechte, und beinahe jeder Flecken kennt schon sei-
nen Club, den nur Männer besuchen. Diese Betrachtungen
drängen sich uns unwillkührlich beim Lesen des Humeschen

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