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auch einige andere, z. B. equitium. Das Eigenthümliche
dieses Sprachgebrauchs wird am klarsten durch die Bemerkung,
daß grex nicht gleichbedeutend ist mit omnes pecudes,
Familia nicht mit omnes servi, und taberna nicht mit
omnes merces. In der deutschen Sprache kenne ich keine
Ausdrücke, die das Ganze und alle seine einzelnen Theile auf
solche Weise und mit der Bestimmtheit unterscheiden, wie denn
z. B. der Ausdruck: meine Bibliothek eben so viel sagt,
als: alle meine Bücher. Es würde hieraus folgen, daß
die römischen Rechtssätze über Verpfändung von Heerden ztc.,
als auf einem rômischen Sprachgebrauch beruhend, für uns
gar nicht practisc\ seyn können. Thibaut hat in der Lehre von
den Servituten. S07 die sehr richtige Bemerkung gemacht,
daß dié Resultate des römischen Sprachgebrauchs nicht für
uns als gesetzliche Regeln gelten. Der verdienstvolle Gelehrte
scheint inzwischen nicht allenthalben die Regel vor Augen bes-
halten zu haben. Das Angeführte dürfte davon ein Beispiel
seyn. Ein anderes Beispiel ist in demselben 638sten §. ent-
alten, wenn gelehrt wird, daß eine Generalhypothek die künf-
tigen Güter mit umfasse. Die Sache selber wird auch nach
deutschem Sprachgebrauch richtig sehn. Der Beweis aus ]. 9.
cod. quae res pignori ist aber nicht entscheidend. Hier han-
delt sich bloß davon, wie die römische Formel „res ad me
perlinentesét zu verstehen ist. Daß diese nun auf die künf-
tigen Güter mitgehe, ist gewiß. Für die Auslegung der römi-
schen Formel ist aber ohne Zweifel von Bedeutung gewesen,
daß das Verbum pertineo kein Supinum, und folglich auch
fein Participium kuturi activi hat, pertinens mithin auch die
Stelle des kuturi vertritt, Bei deutschen Verpfändungsformeln
kann aber dies Alles nicht entscheiden.
Ferner ist auch die Protocollation nach meinem Ermessen
kein usus modernus der römischen luypotheca publiga,
sondern sie hängt, wie auch der Herr Advocat Posselt gezeigt
h;:: mit dem alten Rechtsgrundsatze zusammen, daß dingliche
echte nur durch einen gerichtlichen Act erworben werden. kön-
nen, wobei es ursprünglich nicht zunächst auf die Bezeugung,
sondern auf die gerichtliche Adjudication oder Confirmatjon
ankam. Es liegt am Tage, daß dingliche Rechte an Grund-
stücken in alter Zeit durch Privatvereinbarungen nicht begrün-
det werden konnten, und man kann im eigentlichen Sinne fagen,
daß alles Grundeigenthum von den Gerichten zu Lehn ging.
Daraus folgt denn auch, daß es in der alten Praxis gar keine
hypotheca publica im römischen Sinne geben konnte, weil
eine bloße Privatvereinbarung, wäre sie auch aufs bündigste

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