Full text: Staatsbürgerliches Magazin mit besonderer Rücksicht auf die Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg (Zweiter Band)

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6) Wäre es nicht rathsam, das benefcinm compes 
tentiac, welches einem Gemeinschuldner gegen die im Concurse 
befangen gewesenen Gläubiger eingerämt wird, auf eine ge- 
wisse Frist, etwa von 2 Jahren, zu beschränken? Denn bei 
der jetzigen Allgemeinheit ist das beneticium competentiae 
einer völligen Aufhebung der älteren Forderungen gleich zu 
achten. Sollte etwa das erwähnte Zeichnen auf Verbesserung 
ursprünglich den Sinn gehabt haben, daß die Gläubiger da- 
durch das benelicium compelentiae haben abwenden wollen ? 
7) Auf welche Weise ist bei Prodigalitätserklärungen und 
in Fällen, wo eine Vormundschaft verlängert oder jemand für 
wahnsinnig erklärt werden muß, zu verfahren? Kann eine 
solche Entscheidung von dem Beamten oder von der Ober-Vor- 
mundschaft abgegeben werden, oder ist dazu nicht vielmehr eine 
förmliche gerichtliche Verhandlung in ordinario nothwendig? 
Obgleich das erstere wohl zu geschehen pflegt, so scheint es 
mir doch weder mit unserer Verfassung übereinzustimmen, noch 
Empfehlung zu verdienen. Die Aufhebung der rechtlichen 
Persönlichkeit in einem Menschen ist in ihren Folgen fast ei- 
Rem Criminalurtheil gleich zu achten, und gewiß eine Sache, 
die nicht brevi mann, sondern mit Beobachtung gller For- 
men abgemacht werden müßte. 
8) Die Verordnung vom 12ten November 1784 bestimmt 
im g. 4 ausdrücklich, daß bei armen Weibern, die hochschwan- 
ger sind, die Hebamme des Orts die Sthwangerschaft und 
deren Grad bezeugen kann. Zusammengehalten mit dem g. 3 
zeigt die Bestimmung, daß eine Besichtigung durch Aerzte und 
Chirurgen nicht erforderlich ist, und also auch nicht verfügt 
werden kann. Findet nun derselbe Grundsatk, daß Schwan- 
gere durch Hebammen und nicht durch Männer zu untersuchen 
sind, ebenfalls in allen andern Fällen Anwendung ? Es scheint 
so. Dem Vernehmen nach ist indeß neulich im Schleswigschen 
in einem Falle. wo nicht eine Schwangere, sondern eine Krei: 
sende, exmittirt werden sollte, das Zeugniß der schon in Func- 
tion befindlichen Hebamme verworfen, und aller Einwendungen 
ungeachret die Untersuchung durch einen Arzt verfügt, und 
darauf die Schwangere transportirt worden, welche einige 
Stunden nachher, dem ärztlichen Zeugniß zum Trotz, wirklich 
nieder kam. Wir hoffen zur Ehre unsers Landes, daß die 
Sache sich anders verhalten möge, als wie sie erzählt wird. 
Von d.a physischen Gefahren eines solchen Transvorts wollen 
wir nicht reden. Schon die einer Schwangern aufgedrungene 
Besichtigung durch einen Mann ist eine Verletzung weiblicher
	        

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